Wenn Zick-Zack nicht mehr funktioniert
Als „Triumph der Politik über die finanzwirtschaftliche Sensibilität“ beschreibt Wall-Street-Journal-Reporter Evan Newmark die gegenwärtigen Geschehnisse in den USA. Das amerikanische Repräsentantenhaus hat den Rettungsplan der Bush-Regierung zur Bewältigung der Finanzkrise abgelehnt. Alle eindringlichen Appelle des Präsidenten haben nicht gefruchtet. Die amerikanischen Volksvertreter verfolgen wenige Wochen vor der Wahl schlicht andere Interessen als die Nothelfer der Kreditmärkte. Kein Wunder: „95 Prozent der Amerikaner hassen dieses Rettungspaket“, wie es Newmark auf den Punkt bringt. Gleichwohl ist dieser Krisenplan für die austrocknenden Kreditmärkte nötig wie Wasser für einen Verdurstenden. Denn für alle Finanzmarktteilnehmer geht es darum, dass Vertrauen wiederhergestellt wird – Vertrauen in die Kreditwürdigkeit von Institutionen und die Verlässlichkeit von Zahlungsströmen.
Auch die Anleger verlieren zunehmend das Vertrauen – und zwar in eine der Grundüberzeugungen der modernen Portfoliotheorie. Nämlich dass Diversifizierung ein Depot vor den größten Risiken schützt. Doch Diversifizierung, also die Streuung des Anlagekapitals über unterschiedliche Anlageklassen, kann nur funktionieren, wenn es entgegengesetzte Korrelationen gibt. Zum Beispiel die Tatsache, dass Anleihen profitieren, wenn Aktien einbrechen und umgekehrt.
Leider gibt es eine alte Finanzmarktweisheit, die sich auch aktuell wieder bewahrheitet, wie Wall-Street-Autor Jason Zweig schreibt: Das Einzige, was in einem Bärenmarkt nach oben geht, sind die Korrelationen. „Normalerweise macht eine Anlageklasse zick, während die andere zack macht“, so Zweig. „Doch in Bärenmärkten nähern sie sich an – und in wirklich schlimmen Bärenmärkten laufen sie im absoluten Gleichschritt.“ Doch deshalb sei die Idee der Diversifikation nicht gestorben. „Sie funktioniert nur für eine bestimmte Zeitspanne nicht“, beruhigt Zweig. Für ihn ist es schwer vorstellbar, wie sich eine Finanzmarktdepression ausbreiten soll, wenn so viel Kapital im Markt steckt. Genau darin aber liegt das Kernproblem: Das Kapital steckt fest und befindet sich nicht im Umlauf. Um den Kreislauf wieder anzuwerfen, müsste dann doch erst mal die finanzwirtschaftliche Sensibilität über die Politik triumphieren. (ah)








