Die Zeit drängt

Nun ermittelt das FBI. Neben Fannie Mae, Freddi Mac, AIG und Lehman Brothers stehen weitere 22 Unternehmen im Verdacht durch Desinformation wesentlich zum aktuellen Finanzdesaster beigetragen zu haben. Gleichzeitig prüft die US-Börsenaufsicht SEC in mehr als 50 Fällen, ob Banken, Versicherer und Ratingagenturen ihre Bewertungen von Immobilien und Hypotheken manipuliert haben. Zu den 400 Personen, die bereits verhaftet wurden, werden in den kommenden Wochen und Monaten weitere hinzukommen. Die kriminelle Energie der Firmenchefs, Gutachter und Anwälte erschwert jedoch die Zustimmung zu dem 700-Milliarden-Dollar—Rettungspaket von US-Finanzminister Henry Paulson. Warum soll der Steuerzahler für die Folgen des von den Behörden zu spät bemerkten Treibens der Finanz-Mafia aufkommen?
Allerdings: Zu Paulsons Lösungsvorschlag gibt es keine Alternative. Die Mittel selbst so wohlhabender Privatleute wie Warren Buffet reichen nicht aus, um einen globalen Kollaps zu verhindern. Der Staat ist gefordert, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes ist derzeit kein Verlass.
Trotz des Ernstes der Lage: Die Bedenken vieler US-Politiker gegen den Gesetzentwurf des Finanzministers sind berechtigt. Paulson darf nicht allein entscheiden, welches Unternehmen er künftig vor dem Untergang bewahrt und welches nicht. Es kann auch nicht in seinem alleinigen Ermessen liegen, bestimmten Unternehmen den Schutz vor Leerspekulationen zu gewähren und anderen nicht. Paulson muss einlenken und sein Handeln von unabhängigen Ausschüssen kontrollieren lassen. Und das schnell. Denn die Finanzkrise erhöht die geopolitischen Risiken, die in ihrer Konsequenz den Märkten einen weiteren schweren Schlag versetzen können. Schon ermuntert die aktuelle Schwäche der Weltmacht USA Nordkorea wieder nukleares Material aufzubereiten. Und Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad lässt die Welt wissen, in nur wenigen Monaten verfüge sein Land über die Atombombe. (jb)

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