Kurssuche am Kap

Bei Anlegern steht Afrika hoch im Kurs. Der Kontinent verfügt über all die Zutaten, die eine kräftige Börsenentwicklung versprechen: Bodenschätze, steigende wirtschaftliche Wachstumsraten, anziehende Touristenzahlen. Zudem werden viele Staaten nicht mehr von unberechenbaren Diktatoren regiert. Stattdessen packen Regierungen wie etwa in Ghana mutig die Reformen an, die in ihrer Konsequenz die Lebensbedingungen der Menschen verbessern. Das eröffnet neue Wege der Finanzierung von Investitionen etwa bei Infrastrukturmaßnahmen. So platzierte Ghana als erster schwarzafrikanischer Staat erfolgreich eine Anleihe auf dem internationalen Kapitalmarkt. Doch wie schnell sich die Dinge wieder ändern können, dafür steht Kenia. Anfang des Jahres kam es nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen zwischen den beiden größten Volksstämmen, den Kikuyu und den Luo, zu blutigen Auseinandersetzungen.
Welche Entwicklung nimmt nun Südafrika? Nach dem am vergangenen Wochenende erzwungenen Rücktritt von Präsident Thabo Mbeki sind die Investoren verunsichert. Im April wird gewählt. Aller Voraussicht nach entscheidet Jacob Zuma, Präsident des ANC, das Rennen für sich. Er ist der Favorit der Gewerkschaften und der kommunistischen Partei Südafrikas. Sie fordern vehement eine Umkehr der in ihren Augen zu konservativen Wirtschaftspolitik. Ein Linksruck sei notwendig, ansonsten lasse sich ihrer Meinung nach die Armut und hohe Arbeitslosigkeit nicht bekämpfen. Im Zentrum der Kritik steht die bisher erfolgreiche Bekämpfung der Inflation und der solide Kurs in der Finanzpolitik.
Steht der ANC nun vor einer Spaltung? Auszuschließen ist das nicht. Schwer vorstellbar auch, dass eine Zersplitterung ohne Gewaltausbrüche von statten gehen kann. Die Folgen für Wirtschaft und Börse wären dann aber dramatisch. Nun kommt es auf Zuma an. Der 66jährige steht vor einer wahrlich staatsmännischen Aufgabe: Einheit des ANC bewahren, die Linke zufrieden stellen, internationale Investoren nicht verprellen. Besteht er die Bewährungsprobe nicht, dann geht viel verloren von dem was Nelson Mandela, aber auch Mbeki erreicht haben. Und schon gar nicht ist das Kap dann ein Kauf. (jb)

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