Kampfjets vertreiben Anleger

„Wir befinden uns ganz sicher nicht in einer Krise, noch steht uns eine bevor“, sagte Dimitri Medwedew am Montag. Der russische Staatspräsident hatte über 40 der reichsten Männer des Landes in den Kreml geladen. Ursprünglich wollte er ihnen seine Reformpläne für Russlands Wirtschaft vortragen. Unter anderem will Medwedew die Korruption bekämpfen sowie kleine und mittelständische Firmen fördern. Doch die aktuellen Entwicklungen zwangen Medwedew Beruhigungspillen zu verteilen. Russlands Unternehmenselite ist tief verunsichert: Die Aktienkurse in Moskau rauschen dramatisch in die Tiefe – seit Jahresanfang verlor der russische Leitindex über 50 Prozent, allein gestern sackten die Kurse um zehn Prozent ab. Gleichzeitig büßt der Rubel an Wert ein und auch russische Anleihen sind unter Druck. Auslöser für den Crash in Moskau ist die globale Finanzkrise und der fallende Ölpreis. Doch warum es den russischen Aktienmarkt stärker als alle anderen Emerging Markets trifft, das hat viel mit Wladimirs Putins agressiven Kurs zu tun. Der Einmarsch in Georgien, das Kesseltreiben gegenüber westlichen Firmen, die sich in Russland engagieren, all das verschärft in den Augen ausländischer Investoren das Risiko. Also ziehen sie ihr Geld in Scharen ab.
Fraglich, ob Medwedews Rettungsplan die Lücken schließen kann, die der Exodus reißt. Der Präsident will Pensionsfonds und staatliche Finanzorganisationen zu einem verstärkten Engagement an der Börse motivieren. Schon spricht er von einer neuen Investmentwelle, die den Markt nach oben ziehen wird. Besser wäre es, für außenpolitische Entspannung mit dem Westen zu sorgen. An Gelegenheiten mangelt es nicht. Die Freilassung des Ex-Yukos Chefs Michail Chodorkowski wäre eine solche, auch eine Verbesserung der Beziehungen zur Ukraine würde die Angst vor russischer Expansionspolitik dämpfen. Doch Ministerpräsident Putin macht das Gegenteil. Er versorgt Venezuelas Hugo Chavez mit Waffen und lässt russische Kampfjets vor Südamerikas Küste patrouillieren. So kommen ausländische Investoren nicht zurück. Doch vielleicht zwingen die Krise an Moskaus Börse und Russlands Oligarchen Putin zum Umdenken. Erst dann wäre die Zeit zum Einstieg für Investoren gekommen.

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