Leuchtrakete der Zuversicht

Verstehe einer die Amerikaner. Ihr Häusermarkt bricht ein; ihre Geldinstitute müssen reihenweise in die starken Arme von Papa Staat flüchten; die ganze Welt findet, dass es mit der US-Wirtschaft bergab gehe – doch die Amis lassen Leuchtraketen der Zuversicht aufsteigen.

Einen eindrucksvollen Beleg dafür lieferte uns diese Woche Privatdozent Conrad Mattern in die Redaktion. Mattern ist Lehrbeauftragter am Institut für Kapitalmarktforschung und Finanzierung an der LMU in München. Und er ist Vorstand einer Beratungsgesellschaft, die sich intensiv mit Finanzmarktanalysen beschäftigt. Von ihm bekommt Euro am Sonntag immer wieder erhellende Charts und Grafiken, die wir dann auf den Analyseseiten kommentieren. Wie diese Balkengrafik, die wir in die kommende Ausgabe aufnehmen und hier quasi als Appetitanreger schon mal vorstellen.

Sie zeigt einen genaueren Blick auf den Konsumentensentiment-Index der Uni Michigan, der im Juli stark angestiegen ist. Die Stimmung der Verbraucher gilt als wesentlicher Indikator für die Konsumausgaben, die ungefähr zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen. Mattern hat sich nun die Differenz des Umfrageergebnisses zwischen erster und zweiter Monatshälfte angesehen. Und wie der letzte Balken zeigt, ist das Verbrauchervertrauen in diesem Zeitraum so stark angestiegen wie noch nie zuvor in einem Monat.

Die Erläuterung der Grafik, wie Sie uns Conrad Mattern übermittelt hat: „Für den vorläufigen Wert des Konsumentensentiment-Index werden 250 Haushalte befragt. Heraus kam ein Wert von 56,6. Als endgültiger Wert wurde dann 61,2 angegeben, also ein Anstieg des Index um 4,6 Indexpunkte. Die Verbraucher sind optimistischer geworden. Tatsächlich fiel der Anstieg des Verbrauchersentiments sogar deutlich höher aus, da der Gesamtindex aus 500 Antworten berechnet wird, in denen auch die 250 des vorläufigen Wertes eingehen. Rein mathematisch müssen dann also die Haushalte in der zweiten Hälfte des Monats schon eine Stimmung gehabt haben, die einem Wert von 65,8 entsprach, also einem Anstieg der Stimmung um 9,2 Indexpunkte.“

Der Wissenschaftler wertet dies als positives Zeichen für die Lage der Konsumenten, „denn in der Vergangenheit hat sich die Stimmung dann weiter verbessert, wenn es einen ähnlich starken Stimmungsumschwung gegeben hat.“ In anderen Worten könnte man sagen: Nichts nährt den Optimismus so gut wie der Optimismus.

Wir Deutsche lassen uns von Zuversicht dagegen nicht so leicht anstecken, wie der jüngste Rückgang des GfK-Konsumklimaindex zeigt. Er rutsche auf den niedrigsten Stand seit 2003.
Vielleicht sollten wir uns mehr an den Chinesen orientieren. Laut einer aktuellen Umfrage (siehe Euro am Sonntag Nr. 30, S.14) sind sie im Ländervergleich die zufriedensten Menschen. Und das obwohl wir in unserer Außenansicht immer glauben, die Bewohner des Riesenreichs haben Probleme bis zum Abwinken.
Verstehe einer die Chinesen.

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