Paulsons Pläne
Die Finanzkrise ist vorbei –
übrigens schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Zumindest wenn man alles glaubt, was Medien über Pläne von US-Hedgefondsmanagern berichten.
Zur Erinnerung: Das erste Krisenende feierten Bankenchefs, Fondsmanager und Analysten Mitte März, nachdem die Bank JP Morgan ihren Konkurrenten Bear Stearns vor der Pleite gerettet hatte. Sie priesen Einstiegsgelegenheiten, Schnäppchen und echte Value-Werte. Tatsächlich ging es für den S&P 600 Financials Total Return Index danach kurz bergauf –
von rund 750 auf 950 Punkte. Aber dann ließen weitere Abschreibungen in Bankbilanzen das Kursbarometer auf 650 Zähler fallen.
Diesmal heißt der vermeintliche Heilsbringer John Paulson. Im vergangenen Jahr fuhr der US-Hedgefondsmanager mit seinen Fonds rund 15 Milliarden US-Dollar Gewinn ein –
indem er darauf wettete, dass der amerikanische Häusermarkt zusammen brechen würde. Das machte Paulson zum erfolgreichsten Hedgefondsmanager 2007. Nun plant er angeblich sein nächstes großes Ding: einen Fonds, der ausschließlich Finanzwerte kauft.
Das wäre erstaunlich: Denn vor einem Monat hatte Paulson noch gewarnt, dass die Finanzkrise mindestens bis Ende 2008 andauern werde. Daher seien Banken, Broker und Versicherungen für ihn kein Kauf, sondern Wetten auf fallende Kurse.
Woher Paulsons plötzlicher Sinneswandel kommen soll, bleibt offen. Aber er wäre mit seiner neuen Marktmeinung nicht allein: Auch der Londoner Hedgefondsanbieter Marshall Grace plant offenbar einen Fonds, der ausschließlich Finanzwerte kauft. Wieder ist von „fantastischen Kaufgelegenheiten“ und „sehr großen Möglichkeiten“
die Rede.
Und schon machen erneut Gerüchte vom Ende der Finanzkrise die Runde. Zu Recht? Wohl kaum. Mag sein, dass die Bewertungen günstig sind. Aber das waren sie auch schon vor einem halben Jahr. Der Internationale Währungsfonds, Renteninvestor Bill Gross und Kreditstratege Jim Reid von der Deutschen Bank rechnen bei Finanzinstituten insgesamt mit Abschreibungen von rund einer Billion US-Dollar. Die tatsächlichen Wertberichtigungen belaufen sich aber erst auf knapp die Hälfte dieses Wertes. In Anbetracht dessen wären Finanzwerte viel zu teuer.
Auch das zweite Kaufargument einer kommenden Fusions- und Übernahmewelle erscheint fadenscheinig. Sicherlich könnten Kaufangebote die Kurse gebeutelter Banken in die Höhe treiben. Aber erstens: Wer käme als Käufer infrage? Und zweitens: Warum sollten die Käufer hohe Übernahmeprämien zahlen, wenn sie angeschlagene Unternehmen billig kassieren könnten?
Die Meldungen über Paulsons Pläne sind zwar erstaunlich, aber kein Indikator für eine Trendwende.








