Riesenchancen mit dem Elektro-Hype

Liebe Leser,

gut gemeint ist häufig das Gegenteil von gut. Kaum irgendwo bewahrheitet sich diese Binsenweisheit so sehr wie in der Wirtschaft. Und kaum ein Player in der Ökonomie meint es so konsequent und so beharrlich gut wie die Berufspolitiker. Mit ihren Entscheidungen und ihrem Hang zu planwirtschaftlichen Strategien bewegen sie Milliardensummen – oft genug in die falsche Richtung.

Niederschmetterndes Beispiel der jüngsten Geschichte ist die massive Förderung des Energiepflanzen-Anbaus für die Gewinnung von Biosprit. Damit soll ein wichtiger Schritt aus der jahrzehntelangen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gemacht werden – gut gemeint eigentlich. Doch setzen die hohen Subventionen falsche Anreize und verzerren so den Markt. Die alles andere als gute Konsequenz: Für die Bauern lohnt es sich mehr, ihre Felder in den Dienst der Biosprit-Produktion zu stellen, als Weizen und Mais für die Lebensmittelerzeugung anzubauen. Die entstandenen Hungersnöte sind staatlich programmiert.

Nach dem Biosprit könnte nun die auf Biegen und Brechen vorangetriebene Entwicklung von Elektroautos zum Spielfeld der Gutmeiner und Subventionierer werden. Denn ob die Technik schon so weit entwickelt ist, dass elektronische Antriebe sinnvoll und wirtschaftlich sind, daran zweifeln viele Experten. Als Anleger jedoch sollte man diesen Trend gespannt verfolgen und ganz nüchtern die Investmentchancen mitnehmen, die sich aus einem staatlich forcierten Hype ergeben. Die kommende Ausgabe von Euro am Sonntag wird dieses Thema genauer unter die Lupe nehmen.

Auch auf anderen Kontinenten lassen sich die Nachteile staatlicher Lenkungspolitik studieren: So haben die Bewohner Chinas die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des Riesenreichs ihrer Regierung zu verdanken. Während die Löhne in dem Land 2004 noch um knapp drei Prozent gestiegen sind, legten sie im vergangenen Jahr um sage und schreibe 20 Prozent zu. Für viele ausländische Investoren werden damit Länder wie Indien oder Vietnam, in denen die Löhne niedriger sind, als Produktionsstandort attraktiver. Schuld daran ist die staatlich verordnete Ein-Kind-Politik: Nach Angaben eines chinesischen Forschungsinstituts strömten in den 90er-Jahren noch rund 200 Millionen Menschen vom Land in die Städte. Gegenwärtig sind es nur noch knapp 50 Millionen. Das heißt: Für Chinas rasant wachsende Wirtschaft stehen immer weniger Arbeiter zur Verfügung. Zwangsläufig müssen die Löhne nach oben gehen.

Aus der ursprünglich gut gemeinten Idee, der Bevölkerungsexplosion in dem Land einen Riegel vorzuschieben, entwickelt sich für die chinesische Führung allmählich ein dickes ökonomisches Problem. Und ökonomische Zusammenhänge sind eben komplex, an diesem Umstand scheitert planwirtschaftliches Vorgehen regelmäßig.

Doch ist es wie beim Billardspiel über drei Banden: Wenn auch der Stoß nicht zum gewünschten Ergebnis führt, versenkt er vielleicht doch eine wichtige Kugel. Im Fall Chinas heißt das: Steigende Löhne geben den Menschen im Reich der Mitte mehr Geld in die Hand, das sie für Konsum – auch von westlichen Produkten – nutzen können. Am Ende kann sich die westliche Welt für das „planvolle“ Vorgehen der chinesischen Regierung bedanken.

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