Der Öl-Crash kommt
Lieber Leser,
können sie sich noch an die Titelgeschichte von €uro am Sonntag vom 1. Juni erinnern? „Der Öl-Crash kommt“ war die Erklärung überschrieben, wieso die Wende beim Ölpreis kommen, die Spekulationsblase platzen wird.
Nun bestätigt das Verhalten von Führungskräften in US-Öl-Raffinerien, dass diese Wende nicht mehr lange auf sich warten lässt: Mit ungewöhnlich hohen Einsätzen kaufen die Manager Aktien der eigenen Betriebe ein. Laut dem Wirtschaftsdienst „Bloomberg“ haben Insider der zehn führenden Öl- und Gas-Raffinerien in den USA allein im Mai für zwei Millionen Dollar eigene Papiere ins Depot geholt. Das ist das höchste Volumen seit acht Jahren und das Doppelte der Verkäufe aus dieser Zeit.
„Wer jetzt Raffinerie-Aktien kauft, muss sich ziemlich sicher sein, dass der Ölpreis bald korrigieren wird“, sagt dazu Jack Albin, Chief Investment Officer der Harris Private Bank in Chicago. Denn die Erträge der Raffinerien waren im ersten Quartal aufgrund des stark erhöhten Einkaufspreises für ihr Rohmaterial um bis zu 98 Prozent eingebrochen.
Dementsprechend günstig sind derzeit die Papiere der Öl-Kocher zu haben. Valero Energy Corp. etwa notieren auf einem historischen Tief von unter 30 Dollar. Berichte über ein (inzwischen repariertes) Leck in einer Anlage in Corpus Christi, Texas, verbilligten die Aktie noch einmal. Beim Konkurrenten Tesoro können Anleger zu Preise wie vor drei Jahren einsteigen. Das ist schon mal eine Wette wert.
Nun mehren sich hierzulande auch die Gerüchte, der Spezialchemmie-Hersteller H&R Wasag könnte bei sinkenden Einkaufspreisen für Rohstoffe ebenfalls seine Talfahrt beenden. Darauf würde ich derzeit aber nicht wetten. Denn am Einkaufspreis allein liegt die schlechte Performance nicht. Immerhin schütte die Chemiker statt wie im Vorjahr 60 nun 70 Cent Dividende je Aktie aus. Und es wurde ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu zehn Prozent der ausstehenden Papiere beschlossen. Mir wäre lieber, der Vorstand würde mit eigenem Geld über die Börse zugreifen.









Am 27. Juni 2008 um 10:21 Uhr
Lieber Herr Blümel!
Das sind doch Durchhalteparolen. Woher soll denn die Entlastung an der Preisfront kommen? Die EZB erhöht die Zinsen, der Dollar fällt, der Ölpreis steigt.
Die Nachfrage nach Öl wächst (in den Entwicklungsländern, wo Benzin nicht besteuert bzw. teilweise noch subventioniert wird, ist der Sprit noch immer billiger als eine Tasse Kaffee), das Angebot stagniert - der Ölpreis steigt.
Eine Nachfragerückgang in den USA und Europa wird durch steigende Nachfrage andernorts sofort kompensiert - s.o.
Durch was sollten Ihrer Meinung nach diese Mechanismen ausgehebelt werden? Vielleicht haben die Valero-Manager ja nur zugegriffen, weil die Aktie wirklich so spottbillig ist. Oder weil Vaero auf die Raffinierung von schwefelhaltigem Erdöl spezialisiert ist, wie es vornehmlich in den USA und Kanada vorkommt? Vielleicht kann man am Verhalten von Eidechsen und Singvögeln auf ein bevorstehendes Erdbeben schließen. Aber vom Verhalten einer Herde Manager auf einen Rückgang des Ölpreises zu schließen … ich weiß ja nicht.
Gruetzi
Am 2. Juli 2008 um 09:37 Uhr
Dio!
Jetzt habe ich den Salat, kaum bin ich eine Woche im Urlaub, bekommt meine Vertretung, die auch noch in meinem Namen schreibt “Ärger”.
Dass mit den Eidechsen und Singvögeln würde ich an Ihrer Stelle nicht leichtfertig abtun. Vor allem nicht, wenn diese im Amazonas-Gebiet beheimatet sind. Wer weiß schon, wie sich da etwa ein Flügelschlag auswirkt.
In Erwartung fallender Öl-Preise behilft man sich natürlich mit allen möglichen und unmöglichen Argumenten, um seine Meinung zu untermauern. Die Öl-Bullen tun das auch.
Die reinen Produktionskosten von Öl liegen bei 10(!) Dollar (in saudischen Wüsten). Was rechtfertigt also bitteschön 140 Dollar? Es mangelt an Investitionsvorhaben. That’s it. Was vor allem daran liegt, dass die Vorkommen in politisch fragwürdigen Gegenden zu finden sind. jetzt ist Öl aber so teuer, dass die Riskobereitschaft für Investitionen steigen dürfte. Ebensomüssten jetzt (endlich) auch Alternativen vorangetrieben werden. Über kurz oder lang sollte das Energie-Angebot also wieder zunehmen.
Die Frage ist nur WANN? Dio!
(PS: Die Chinesen bauen gerade ihre Benzin-Subventinierung ab)