Die Lektion für Stahl-Aktionäre

Liebe Leser,

Stahl wird teurer. Die chinesischen Stahlkocher haben gerade nach Verhandlungen mit dem Rohstoff-Konzern Rio Tinto eine Preiserhöhung bei Eisenerz von 96,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr akzeptiert. 2007 hatte sich der Rohstoff schon um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr verteuert, 2005 allerdings hatte es schon einen Aufschlag von rund 72 Prozent auf den Preis des Erzes gegeben.

Die Kollegen der „Financial Times“ (www.FinancialTimes.net), eigentlich als wirtschaftsliberal bekannt, haben sofort den Schluss gezogen, dass mit diesem Abschluss die weltweite Inflation angeheizt wird. Nun, unsere wirtschaftsliberale Meinung ist, dass das nur eine Teuerung ist, die tatsächlich auf alle Produkte durchschlägt, die mit der Stahlproduktion zusammenhängen. Ganz einfach: Ein knappes Angebot an Eisenerz, eine große Nachfrage, besonders aus China, und fertig ist der steigende Preis. Klingt nicht mal komisch, denn es ist nun einmal so. Wollen die Menschen etwa Glasperlen, und Glasperlen sind gerade knapp, dann steigt auch ihr Wert, bzw. ihr Preis. Inflation aber gibt es nur, wenn gleichzeitig oder nah an Preiserhöhungen auch die Löhne steigen – und dann die Preise, und dann wieder die Löhne und dann wieder die Preise und… Das ist dann die Lohn-Preis-Spirale – Inflation eben.

Inflation entsteht also beispielsweise, wenn die deutsche Politik die Gehälter von Öffentlich Bediensteten und Beamten kräftig erhöht (wie unlängst geschehen) und dann noch die Politiker-Diäten an diese Steigerung anpasst. Obwohl sich die Wertschöpfung, also die Leistung des Staatsapparates, keineswegs erhöht hat. Und weil diese nun besser bezahlten Menschen, die sich nicht einmal wirkliche Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen müssen, noch mehr Geld zum Ausgeben haben und deshalb mehr Leistungen auf dem freien Markt nachfragen können, wird es eben für alle ein wenig teurer. Und die Politiker (die zu großen Teilen ohnehin aus der Kaste der Öffentlich Bediensteten und Beamten stammen) werden sich wieder die Gehälter erhöhen und…

Die Preiserhöhung für den Rohstoff Eisenerz jedenfalls ist nicht erstaunlich, keine Inflation, sondern schlicht eine Marktreaktion. Und das ist gut so. Denn es zeigt, dass der Markt funktioniert. In Ausgabe 24 (15. Juni) von €uro am Sonntag hatte unser Kollege Klaus Schachinger schon im seinem Artikel „Die indische Lektion für Stahlbarone“ erklärt, wie sich erfolgreiche Stahlkocher aufstellen müssen, vor allem aber, wie sie sich ihre Rohstoffe sichern.

Als Anleger, der sich bei seiner Altersvorsorge nicht auf eine staatliche Rente verlässt, muss man nun also genau hinsehen: Entweder Ihr BMW, Mercedes oder Audi wird teurer – und der höhere Preis ist dann auch auf dem Markt durchzusetzen (keine Inflation!), oder die Gewinne der Auto-Konzerne sinken. Besser also, wenn Sie Aktien von Stahlproduzenten wie Arcelor Mittal, Evraz Group, Mechel oder Salzgitter im Depot haben.

Einen Kommentar schreiben

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Sie müssen die 7 Zeichen im Bild, (Zahlen von 0 - 9 und Buchstaben von A - F), in das Feld eintragen und das Formular abschicken um den Kommentar zu senden.

  

Code neu Generieren