Anleger auf Landpartie
Liebe Leser,
planen Sie für dieses Wochenende eine Landpartie? Wenn ja, dann sehen Sie sich das eine oder andere Feld, an dem Sie vielleicht entlang streifen, doch einmal genauer an. Oder die Kuhweide. Oder die Wiese mit den Schafen und Ziegen. Wäre das nicht was für Sie?
Nein, nicht wegen der landschaftlichen Schönheit! Wo denken Sie hin, viel zu banal. Ich will Sie nicht auf den Erholungswert aufmerksam machen. Ich denke da mehr an ein Investment. Ein echtes Investment. Eines, das sie betreten, bepflanzen, bebauen können. Mit dem Sie Geld verdienen können.
Ted Turner, George Soros oder Nicolas Berggruen haben solche „Real Investments“ schon für sich entdeckt. Wer wie diese Superinvestoren so viel mit Wertpapieren gehandelt hat, der will offensichtlich auch mal was Echtes. Land eben. Die Subprimekrise hat es uns gezeigt: Ein Wertpapier ist auch nur ein Versprechen, dass mir jemand dafür mal einen Gegenwert auszahlt. Nun hatten die Banken den Käufern der US-Wunderpakete aber mächtig viele Versprechen gemacht – die man angesichts mittelloser Häuslebauer nicht halten konnte.
Wenn Versprechen nicht gehalten werden, entsteht Misstrauen. Misstrauen aber ist schlecht für die Märkte. Und so fangen die ersten Börsianer auch schon an sich zu fragen, wie es denn geht, dass – meist in Derivaten – etwa bei Agrarrohstoffen teilweise das Zigfache der physisch wirklichen vorhandenen Ernte gehandelt wird. „Wir werden in eine Derivate-Krise kommen, vielleicht in zehn, 15 Jahren erst, aber die Krise wird kommen“, sagte mir vergangene Woche ein Banker eines Hauses, das ausgerechnet mit Zertifikaten gerade sehr gute Geschäfte macht (vielleicht nur bis zum Stichtag für die Abgeltungssteuer am kommenden Mittwoch, Anm. d. Red., aber mehr darüber lesen Sie in der kommenden Ausgabe). Erstaunlich! Dieser Banker fängt an, seinem eigenen Geschäft zu misstrauen.
Das kann es auch sein, was George Soros und Co aufs Land treibt: Misstrauen. Beim Land, da steht man selbst im Grundbuch, das frisst die Inflation nicht auf, man kann sein Gemüse darauf ziehen oder Tulpen darauf pflanzen – und selbst wenn die Welt untergeht (oder eben die Finanzmärkte kollabieren), kann man das noch auf seiner eigenen Scholle erleben.
Wie man auch als Privatanleger zu renditeträchtigem Agrarland kommt, beschreiben jedenfalls die Kollegen Carl Batisweiler und Andreas Hohenadl in der kommenden Ausgabe von €uro am Sonntag. Und sie sind überzeugt, dass sich da gerade erst ein neuer Trend entwickelt, eine neue Anlageklasse mit großer Zukunft.
Ich werde das Heft am Sonntag sicher mitnehmen – bei meinem Ausflug aufs Land.








