Profitabler Protest
China zeigt Flagge – und zwar im wörtlichen Sinne. Zwei große chinesische Internetportale haben ihre Landsleute dazu aufgerufen, Flaggen zu spenden. Die roten „Winkelemente“ (so die offizielle Sprachregelung im ehemaligen kommunistischen Bruderstaat DDR) sollen ins Ausland geschickt werden. Damit sollen die dort lebenden Chinesen ihren Protest gegen drohende Olympia-Boykotte unterstützen.
Der Aufruf ist ein erstaunlicher Erfolg. „Seit vergangenem Freitag, als die Aktion gestartet ist, haben wir schon 13.000 Flaggen erhalten“, zitiert die Wirtschaftszeitung The Economic Times einen Sprecher des Internetportals Sohu. Etwa 3.000 Winkelemente davon habe Sohu schon in 24 Städte verschickt – nach Australien, Südkorea, Malaysia, Großbritannien, Frankreich und in die USA.
Der andere Initiator – Sina – habe am Dienstag 1.000 Flaggen nach Südkorea geschickt. Dort soll das olympische Feuer auf seinem Weg um die Welt am Sonntag Station machen. Protestaktionen von Menschenrechtlern, die sich für die chinesische Provinz Tibet stark machen, sind vorprogrammiert. Chinas Regierung sorgt dafür, dass die Fahnen pünktlich eintreffen: Sie lässt die Pakete kostenlos und per Expresslieferung verschicken.
Die Flaggenproduktion im Reich der Mitte läuft also auf Hochtouren. Aber dabei kommen offenbar nicht nur rote chinesische Winkelemente heraus: Angeblich werden viele Tibet-Flaggen, mit denen Menschen weltweit gegen Chinas Haltung gegenüber der Provinz Tibet protestieren – in China hergestellt. Das heißt: Die Proteste bescheren China sogar Profit. Erstaunlich, welche Widersprüche die Globalisierung hervorruft!








