Chinas Appetit und die Spekulanten-Lüge

Noch einmal ni hao, liebe Leser, und diesmal wieder aus München. Denn unser China-Mann Martin Blümel sitzt im Flieger Richtung Heimat. Wir hier in der Redaktion sind gespannt, wie viel er auf seiner Reise durch das Reich der Mitte zugenommen hat, denn praktisch jeder Termin war wohl mit einem opulenten Essen verbunden. Höflich wie er ist, hat Kollege Blümel seine Gastgeber natürlich nicht enttäuscht und ordentlich zugelangt.

Neben Reis kamen da so leckere Sachen wie frittierte Entenfüße auf den Tisch. Aber auch auf so gewöhnliche Speisen wie Rind- oder Schaffleisch haben die Chinesen immer mehr Appetit. Am Sonntag können Sie im Rohstoff-Spezial der nächsten Ausgabe von €uro am Sonntag eine Geschichte über Farm-Investments in Australien lesen, die sich gerade wegen der Änderung der Essgewohnheiten in China mehr und mehr rentieren werden. Bis 2010 werden Asiens Rindfleischimporte voraussichtlich die gesamte Produktion Australiens übertreffen, das hat die Welternährungsorganisation FAO ausgerechnet, der Hunger nach Schaffleisch reicht bis dahin schon für 80 Prozent der australischen Produktion.

Aber auch in China selbst wird sich die Landwirtschaft noch stark modernisieren müssen, um die Lust der Bevölkerung auf proteinreichere Nahrung stillen zu können. Dazu braucht es natürlich Maschinen. Solche wie die von China Farm Equipment beispielsweise. Oder Traktoren der Produzenten CNH Global oder Agco. Selbst ein bei uns so unbekanntes Unternehmen wie Bucher Industries profitiert vom Boom der Landwirtschaft, den der neue Wohlstand in Schwellenländern wie China oder Indien ausgelöst hat.

Wobei wir auch schon bei dem Lieblingsthema der Journalisten dieser Woche wären: Angeblich sorgen Kleinanleger und ach so böse Spekulanten dafür, dass auf der Welt bald wieder schlimmer Hunger herrscht. Kollegenschelte ist ja nicht so gut angesehen, aber manchmal unbedingt notwendig. So staunen wir über die Unbelehrbarkeit von Spiegel-online-Autor Frank Hornig im Interview mit Rohstoff-Guru Jim Rogers, der einfach die Tatsache nicht wahrhaben will, dass hohe Lebensmittelpreise erst einmal durch hohe Nachfrage und nicht durch Spekulationen bedingt sind.
Welch verheerende Wirkung dazu noch die von der Politik so geliebten Agrarsubventionen haben, hat Ex-Greenpeace-Chef und Foodwatch-Gründer Thilo Bode in der €uro-am-Sonntag-Ausgabe vom 20. April bestens erklärt („Kein perverseres System“).

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