Geschäftsmodell Gerücht
Haben Sie es schon gehört? Nun, ich sage es Ihnen ganz im Vertrauen (und natürlich hinter vorgehaltener Hand), aber wir kennen uns ja schon so lange, nur deshalb, ich selbst habe es von einem Broker aus Frankfurt, der einen Freund an der Londoner Börse hat, der wiederum einen aus der Innenrevision der Halifax Bank of Scotland (HBOS) kennt, und der jedenfalls, aber das sei leider etwas unsicher, der habe zumindest gesagt, dass seine Schwiegermutter eigentlich fast sicher sei, dass HBOS, das größte Hypothekeninstitut Großbritanniens, behauptet habe, durch üble und bewusst gestreute Gerüchte, die ein „anonymer Banker“ in einer E-Mail verbreitet haben soll, diejenigen nämlich, dass das Geldhaus um Notfallgespräche bei der Bank of England gebeten habe und außerdem bald Probleme veröffentlichen werde, die dann einen „Kundenansturm auf die Bank“ auslösen würden, einen Kurssturz von rund 17 Prozent erlitten zu haben.
Wie war das nochmal? Wissen Sie noch, worum es geht? Irgendwie um Bank, Großbritannien, HBOS, Notfall, Kurssturz. Und Gerüchte. Das passt wunderbar in unsere unsichere, ängstliche Zeit. Ein paar Schlagworte unters Volk gebracht, schon purzeln die Kurse oder schießen nach oben – und die Forscher der Behavioral Finance gelangen wieder an bestes Material für ihre Studien um das psychologisch bedingte Verhalten von Anlegern, das sich nicht um die Fakten und fundamentale Dinge schert.
Fakt ist: Die HBOS, die mal eben über 300 Milliarden Euro verwaltet und jedes fünfte Darlehen im Königreich abwickelt, hatte nicht die Absicht, bald Probleme zu veröffentlichen, die einen Kundenansturm auslösen würden. Auch Gespräche mit der Bank of England waren nicht notwendig und geplant. Fakt ist auch, dass der HBOS-Kurs um bis zu 17 Prozent nachgab und der ganze Bankensektor in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ich kenne zwar etliche Broker in Frankfurt, einige davon haben wirklich Freunde in London, deren Bekannte haben sicher die eine oder andere Schwiegermutter. Aber der oben geschilderte Zusammenhang ist natürlich Blödsinn. Nur ein Gerücht.
Dass einige Spekulanten an dem Wertverlust der HBOS-Aktien von rund 3,8 Milliarden Euro bestens verdient haben, ist allerdings Tatsache. Ein einziger Zocker soll an einem Tag umgerechnet 130 Millionen Euro durch Optionsgeschäfte auf die Kurskapriolen eingesackt haben (das zumindest berichtet die renommierte Zeitung „Telegraph“). Die Finanzaufsicht FSA bestätigt, dass die Gerüchte schlicht erfunden waren und sie nun gegen die Verursacher der Gerüchte und einige der verdächtigen Zocker ermittelt.
Gemerkt haben wir uns nun, dass bei der Bank HBSO irgendetwas nicht stimmt. Und staunen sogleich über unsere eigene Anfälligkeit Gerüchten über. Gehen wir also aufmerksam durch diesen Tag – einem „Hexensabbat“ noch dazu, an dem weltweit Optionen, Futures auf Indices und auf Aktien verfallen und die Börsen deshalb besonders empfindlich auf Gerüchte reagieren. Und dann haben wir die längste börsenfreie Zeit des Jahres zum Nachdenken. Denn am morgigen Karfreitag bleiben die meisten europäischen Börsen sowie die US-Börsen geschlossen. Am Ostermontag ist an den meisten europäischen Märkten kein Handel, nur die japanischen sowie die amerikanischen Börsen haben wieder geöffnet. Fröhliche Ostern.








