Wir hassen teuer: Geld super billig!

Bei all den schlimmen Nachrichten, die derzeit aus der großen weiten Welt der Finanzen auf uns einstürzen, möchte ich Ihre Laune zuerst einmal mit einer guten Nachricht aufbessern: Der Ölpreis ist nach seinem neuerlichen Rekordhoch heute gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate wurde am Morgen mit 107,25 US-Dollar gehandelt. Das waren 1,25 Dollar weniger als am Vortag. Am Montag waren für das Barrel noch 111,97 US-Dollar zu bezahlen. Und noch eine gute Nachricht: Geld wird billiger! Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins am Dienstagabend um 0,75 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent gesenkt.

Mit den Glückshormonen im Blut, die Ihr Körper nach diesen beiden positiven Nachrichten ausgeschüttet hat, sind Sie jetzt auch wieder stark genug, um weniger Euphorisches zu lesen. Zum Beispiel, dass sich die Banken nun zwar gerne billiges Geld von der Zentralbank holen, es aber nicht wieder an die Kunden ausleihen, die für Innovationen, Investitionen oder Expansionen Kredite brauchen. Klingt komisch, ist aber so. Denn dann müssten die Geldhäuser ja auch wieder Risiken eingehen, was sie nach ihren geplatzten Geschäften mit den hübschen Päckchen aus der Subprimekiste nicht mehr wollen. Zudem sind für die Banker beim gewöhnlichen Kreditgeschäft nicht so dicke Bonuszahlungen zu erwirtschaften wie in der Vergangenheit mit dem Paketgeschäft untereinander. So verfügt die Weltwirtschaft derzeit zwar über eine exzellente Liquidität, doch aus den Bottichen der Banken schwappt davon kaum etwas auf die ausgetrockneten Märkte.

Mit dem gesunkenen Ölpreis ist das auch so eine Sache. Die Rohstoffhändler sind nämlich überzeugt, dass der billigere Sprit weniger auf ein gestiegenes Angebot zurückzuführen ist, sondern eher auf die Schwäche der Finanzmärkte, während der man die Preiselastizität eben mal nach unten schwingen lässt. Scharfe Preissprünge sind trotzdem jederzeit möglich. Ist das so schlimm?

Steve Thornber, Fondsmanager des Threadneedle Global Equity Income Fund and Head of Global Oil Sector Team, hat in seinem jüngsten Marktkommentar mal wieder die Vergleichsrechnung aufgemacht: „Der Ölpreis liegt derzeit bei rund 100 US-Dollar pro Barrel. Vergleicht man dies mit dem Preis derselben Menge anderer Güter erhält man folgende Zahlen: 140 US-Dollar pro Barrel Benzin in den USA, 320 US-Dollar pro Barrel Benzin in Großbritannien, 500 US-Dollar pro Barrel Coca Cola, 1250 US-Dollar pro Barrel Starbucks Kaffee und 2400 US-Dollar pro Barrel Premium Lager.“ Thornbers Fazit: „Es wird deutlich, dass im Vergleich ein so kostbares Gut wie Energie dann doch noch relativ günstig erscheint.“

Erstaunlich, nicht? Schluss also mit dem Pessimismus, es geht uns doch gut. Relativ zumindest.

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