Immer mit der Ruhe

Einen Texaner bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Schon gar nicht einen wie US-Präsident George Bush. Er sei eben ein „optimistischer Typ“, bekundete der 47-Jährige am vergangenen Freitag in Gegenwart von hochrangigen Finanzmanagern und im Angesicht des Abgrunds, vor dem die amerikanische Finanzwelt gegenwärtig steht. 30 Milliarden Dollar weitere Verluste erwarten Analysten bei den großen US-Banken in der nächsten Zeit – Präsident Bush scherzt, dies sei ein „interessanter Moment“ in der US-Wirtschaftsgeschichte. Keine Rede von Rezession, das Banken-Debakel allenfalls eine „Herausforderung“. Kein Grund also, sich Sorgen zu machen, denn überdies weckten die USA „den wirtschaftlichen Neid der Welt“. Nicht nur Bushs Zuhörer, die Mitglieder des renommierten Economic Club, staunten und fragten sich wohl, woher der Staatschef seine Informationen bezieht.

Auch gestern, nachdem die zahlungsunfähige Bank Bear Stearns nur mithilfe einer gewaltigen Finanzspritze der US-Notenbank gerettet und von JP Morgan zu einem Spottpreis übernommen worden war, zeigte sich Mr. Optimismus in seinem Weltbild unerschüttert. Bei einem Treffen mit Wirtschaftsberatern versicherte er, die Kapitalmärkte arbeiteten „effektiv und effizient“ und man habe die Lage im Griff. „Ich bin sicher, dass die Anstrengungen der Kontrollinstanzen und der Marktteilnehmer die Verwerfungen minimieren.“

Den festen Glauben, bald wieder besseren Zeiten entgegenzusteuern, teilt Mr. President mit Siemens-Chef Peter Löscher. Nach der überraschenden Gewinnwarnung des DAX-Konzerns und dem anschließenden 17-Prozent-Absturz der Aktie am Montag, deckte sich Löscher erst mal mit Siemens-Aktien für 3,3 Millionen Euro ein. Schlimmer geht’s nimmer, dachte er sich wohl. Was sich Mr. Bush derweil denkt? Vielleicht: Schlimmer geht immer. Oder: Was für eine Aufregung. Schlimm.

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