Jimmy Cayne, der Minus-Mann

Sie sind entsetzt über das Minus heute in Ihrem Depot? Ja, ich kann das verstehen, schließlich hatten wir alle insgeheim gehofft, dass es doch nicht so schlimm würde, dass für uns die Bullen antreten und nicht die Bären brüllen. Und jetzt müssen wir mit ungläubigem Staunen ansehen, wie es die Märkte weiter nach unten reißt, weil die Hiobsbotschaften aus den USA gar kein Ende nehmen wollen, weil die hohen Herren der Finanzhäuser von der Wall Street noch deutlich mehr Geld als bisher angenommen mit seltsam geschnürten Kreditpaketen verzockt haben, die sie sich auch noch gegenseitig verkauft hatten.

Aber vielleicht muss man sich, um das zu verstehen, einfach nur ansehen, für was in der Vergangenheit die Wirtschaftsnobelpreise vergeben wurden: Ein Großteil der Ausgezeichneten hatte als Grundlage ihrer Forschungen die Spieletheorie genutzt. Und was die Wissenschaftler da so alles entwickelt haben in der Theorie, wurde dann in die wahre Welt der Wirtschaft übertragen. Ach so: Alles nur ein Spiel!

Vermutlich deshalb blieb der ehemalige Chef der inzwischen illiquiden Bank Bear Stearns, die heute von JP Morgan für gerade mal 236 Millionen Dollar übernommen wurde, so ruhig und gelassen, als sein Haus im vergangenen Sommer anfing nach und nach in sich zusammenzufallen. Als am 17. Juli 2007 zwei Hedge-Fonds von Bear Stearns kollabierten, spielt James „Jimmy“ Cayne eine Runde auf dem Hollywood Golf Course in New Jersey. Und als nun endgültig der Bär über Bear Stearns herfiel, spielte Cayne in Detroit um die nordamerikanische Bridge-Meisterschaft. Allerdings konnte er sich wegen der vielen lästigen Telefonanrufe besorgter Mitarbeiter wohl nicht mehr so ganz auf Spiel konzentrieren – von Platz 4 fiel er auf Rang 26 ab.

Edmund S. Phelps, der 2006 den Nobelpreis für Wirtschaft entgegennehmen durfte, staunt jedenfalls nicht über das aktuelle Szenario. Denn bei allen Spielvarianten, welche die Grundlage für die Subprime-Geschäfte geliefert hatten, wurde schlichtweg das Risikomanagement vergessen, so der angesehene Forscher im „Wall Street Journal“. Die Player haben sich also einfach nicht an alle Regeln des Marktes gehalten.

Bei den Bemühungen der US-Notenbank Fed mit den neuerlichen Zinssenkungen erinnert Phelps nun daran, dass die Konsumenten, wenn sie sich denn nun schon beim Konsum zurückhalten müssen, im Gegenzug höhere Zinsen für das Gesparte erwarten. Da ist es eigentlich ein Regelverstoß, wenn die Fed nun den Geldhäusern das Geld billigst zur Verfügung stellt, um deren Verluste in Grenzen zu halten, Sparer aber nur dürftig belohnt werden.

Ich bin, ehrlich gesagt, ein schlechter Skatspieler. Und Jimmy Cayne offensichtlich ein miserabler Spieler an den Finanzmärkten: Während er in Detroit die Karten drosch, pulversierte sich der Wert seines noch vor wenigen Wochen auf viele Millionen taxiertes Aktienpaket von Bear Stearns. Na ja, ist doch nur ein Spiel. Ein sehr teures allerdings.

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