Helikopter-Ben
Es ist erst Dienstag, aber hier kommt schon definitiv das Fundstück der Woche – ein Ausschnitt aus der neuesten Statistik der amerikanischen Notenbank Fed. Es geht um die Mindestreserven, die die US-Banken bei der Zentralbank halten müssen (das ist nicht langweilig, bleiben Sie dran)!
Interessant ist nämlich die Ziffer ganz unten in der Zeile Non-borrowed. Die ist negativ! Um das mal zu verdeutschen: Die Fed hat im Januar dem Bankensystem de facto die Mindestreserve in Form tatsächlicher, harter Dollars erlassen! Und das gab es noch nie (zumindest habe ich in den Statistiken der Fed nichts gefunden, und die gehen zurück bis in die 50er-Jahre). Grund zur Panik?
Wir haben mal nachgefragt. Bei Roger Kubarych, Chief U.S. Economist bei UniCredit Markets & Investment Banking in New York. Ich muss zugeben, man muss seine Ausführungen drei Mal lesen, bis man es versteht. Die Quintessenz ist aber die, dass Ben Bernanke (Helikopter-Ben) sein Instrumentarium konsequent ausreizt. Komplett! Die beiden Zinssenkungen vom Januar sind nur das sichtbare i-Tüpfelchen auf die bisher nicht in diesem Extrem angewandte (und offensichtlich notwendige) Anwendung der Offenmarktpolitik!
Aber verschießt Bernanke so vorschnell sein Pulver?
Kubarych: „When the Fed began to do the Term Auction Facilities back in December, they
started adding billions of borrowed reserves to the banking system. So
they used open market operations to withdraw reserves from the banking
system in order to keep the federal funds rate from falling below their
target. That soaked up non-borrowed reserves to such an extent that the
banks ended up with negative non-borrowed reserves (ie more than all of
reserve requirements were being met through borrowings). What is important
to note is that excess reserves remained positive and relatively steady.
There is a sizable demand for excess reserves even in normal circumstances,
but that demand increased during months like August 2007 and November 2007
because of lingering concerns about the depth and resilience of the
interbank market (along with the risk the LIBOR would go up relative to fed
funds).“ Thank you Sir!
Und sonst?
Diese Woche muss Deutschbanker Ackermann gerade stehen. Wir erinnern uns: es gäbe nichts mehr abzuschreiben, hat er 2007 immer wieder betont. Bin gespannt.
Und das ist Helikopter-Ben …











Am 6. Februar 2008 um 08:47 Uhr
Na da hamse ja was ausgegraben!
Wenn die Interpretation richtig ist, haben wir es mit einem Eingreifen der Fed zu tun, das seinesgleichen sucht. Wenn wir weiters unterstellen, dass Bernanke die Zusammenhänge versteht (auch wenn die Kommentatoren das immer wieder bezweifeln, was in meinen Augen anmaßend ist!), dann versucht er gerade mit aller Macht ein Desaster zu verhindern und nimmt die Nebenwirkungen (Inflation? Deflation?) billigend in Kauf. Oder lassen Sie es mich so sagen: der Krebs soll mit einer Chemotherapie besiegt werden! Dass dabei evtl. viele Unternehmen die Kurve kriegen, die eigentlich die Pleite verdient hätten, wird ebenso billigend in Kauf genommen. Die Banken wird sich Bernanke (respektive die dafür zustzändigen politischen organe) später vorknöpfen und drastische Aufsichtsmaßnahmen durchsetzen.
So lange gilt, und da bin ich 100 % d\’accord mit Ihnen Herr Blümel: wir haben das Schlimmste noch nicht hinter uns! Cash ist derzeit king!
Am 6. Februar 2008 um 10:05 Uhr
Da kreist doch der Pleitegeier!