Becher leer
Wenn Klein-Leonie in der Schule abgeliefert ist, und der Herr Papa den Weg zum Büro nimmt, führt der Weg über den Münchner Hauptbahnhof, vorbei am Starbucks. Normalerweise. Wenn es jedoch kalt ist und noch früh am Tag (Schulbeginn um 8:00 Uhr ist definitiv früh), kann der Herr Papa manchmal nicht widerstehen und lenkt die Schritte in den Starbucks-Laden hinein, nicht vorbei.
Dass dort babylonische Sprachverwirrung herrscht, mag ja noch angehen („tall” ist klein, „grande“ ist mittelgroß und „venti“(?) entspricht einem großen Becher). Dass dem müden und frierenden Kunden inzwischen aber auch noch ein Extra-Shot-Espresso obendrauf zum ohnehin granden Cappuchino to go aufgeschwatzt wird, sprengt, wenn nicht die Bechergröße, so doch jegliche ökonomische Vernunft. Wie verzweifelt müssen die inzwischen sein bei Starbucks? Besagter Schuss kostet 80 Cent extra, der Cappuchino selbst zwischen drei (tall) und 3,80 Euro (venti). Macht bei großem Frieren/Müdigkeit bis zu 4,60 Euro. Hoppla, das sind fast zehn Mark (wir rechnen doch alle noch um, oder?).
Vermutlich sind sie also sehr verzweifelt bei Starbucks. Der Umsatz muss angekurbelt werden, die Geschäfte laufen nicht wie früher. Die Aktie ist in Frankfurt nur noch 14 Euro wert, zu Spitzenzeiten waren es mal 32. Beim Kurs von 15,35 Euro empfahl das Magazin „Der Aktionär“ zwar „erste Positionen in der Aktie aufzubauen“, das KGV von 23 sei attraktiv. Aber der Papa will nicht. Ne, ne, meine Herren… keinen Extra-Shot für mich.
Für andere auch nicht. Laut neustem CNBC’s Starbucks Indicator (den gibt es wirklich), verzichten zwei Drittel aller Amerikaner generell auf premium coffee drinks à la Extra-Shot oder Caramel-Special. Und elf Prozent der Starbucks-Kunden wollen beim Kaffe-Schlürfen generell sparen.
Das wiederum passt nicht so recht zur generellen Konsum-Umfrage von CNBC: „The CNBC Holiday Central Survey finds that Americans appear ready to increase their holiday spending a healthy 6% over last year to $78“. Ihr Wort in des Weihnachtsmanns Ohr. Die Börsenentwicklung spricht schließlich auch eine etwas andere Sprache: Staples (Ausgaben für das tägliche Leben) sind ok, Discretionary (langlebige Güter) dagegen, liefern 2007 die schlechteste Wertentwicklung nach Finanzwerten ab.
Und sonst? Links zum Selberstaunen!
Der verrückte Jim Cramer („He has no idea how bad it is out there. He has no idea!“) besinnt sich und wird zahm.
Goldman Sachs plant den größten Hedgefonds aller Zeiten.










Am 18. Dezember 2007 um 11:52 Uhr
Starbucks hat sich übrigens das italienische Wort für 20 als Warenzeichen eintragen lassen… und „venti“ heißt es übrigens, weil da (in den usa zumindest) 20 oz. drinnen sind
Am 18. Dezember 2007 um 13:32 Uhr
Wenn das so ist
Vorschlag: Umbennung von ‘Grande’ und ‘Tall’ in ‘Sedici’ (16 oz.) und ‘Dodici’ (12 oz.)
Das spiegelt auch den Börsenkurs besser wider.
Am 20. Dezember 2007 um 12:02 Uhr
a) fällt die Aktie weiter
und b) schmeckt der kaffee dort eh nicht