Sie werden ihn mögen
Tja, lieber Leser,
da haben Sie aber gestaunt. Drei Wochen war der echte „Blümel staunt“ mit seinen Betrachtungen der Weltwirtschaft in Urlaub. Und Sie waren vorgewarnt: „Dann übernimmt mein zynischer Kollege für einige Zeit das Ruder (Sie werden ihn nicht mögen!)“, hatte er geschrieben.
Tatsächlich hat ein ganzes Potpourrie aus Redaktionskollegen seinen Job übernommen und sich dabei ganz nach seiner Ankündigung ausgetobt. Ob wir dabei zu sehr nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich es sich gänzlich ungeniert“ oder „Viel Feind, viel Ehr“ vorgegangen sind, überlassen wir Ihrem Urteil.
Einer der Ersatzblogger jedenfalls fühlt sich noch bemüht, eine Begriffsklärung in Sachen Zynismus vorzunehmen. Da gibt es beispielsweise die schlichte Definition à la Wikipedia: „Heute bezeichnet man als Zynismus zum einen eine Haltung, die in teils absichtlich verletzender Weise die Wertvorstellungen anderer abwertet oder missachtet und zum anderen auch eine Haltung, welche moralische und menschliche Werte grundsätzlich in Frage stellt und sich dabei teilweise (bewusst oder unbewusst) darüber lustig macht. Zynismus kann auch ein Zeichen von Resignation sein.“
Nun, bei all den Chancen, die uns das Leben, die Wirtschaft bietet, sind wir alles andere als resigniert. Wir schauen voraus. In der neuen Ausgabe von €uro am Sonntag etwa stehen wieder eine Menge Anlagetipps. Und klar, wir sagen auch, wo man ein Investment besser bleiben lässt.
Deshalb zitieren wir hier auch lieber den Schriftsteller und Satiriker Max Goldt (www.katzundgoldt.de): „Zynismus ist eine destruktive Lebensauffassung, während Sarkasmus das Resultat von trotziger Formulierungskunst ist, die über einen spontanen Zorn auf ein Meinungsallerlei hinweghilft.“ Und Goldt formuliert weiter: „Der Sarkast kehrt allenfalls aus seinem Weinkeller zurück, und mit einer guten Flasche Rotwein setzt er sich in seinen Sessel und denkt sich neue teils schneidende, teils mürrische Bonmots aus, die ihn zwar einer gewissen Abgeschiedenheit verdächtig machen, ihn aber nicht daran hindern, viel Lebensfreude zu empfinden und auch auszudehnen.“
Bei uns sind es zwar der Bürostuhl und Apfelsaftschorle, den spontanen Zorn auf ein Meinungsallerlei teilen wir aber gern mit Goldt: Wer hungrig vom Apfel der Erkenntnis gefuttert hat, für den ist zwar das Paradies für immer gelaufen, aber er ist zumindest erst mal satt. Milch und Honig, gebratene Tauben und solches Zeug sind trotzdem immer wieder mal drin.
Ach, Sie haben das alles nicht gemocht? Diese ganzen drei Wochen mit abstrakten volkswirtschaftlichen Zusammenhängen, diese Politikerschelte und Bürokratenkritik? Kein Problem. Nächste Woche ist der echte Blümel wieder da, und staunt. Aber ich warne Sie: Der Mann ist ebenfalls fern vom Mainstream. Vor allem aber: Er ist ein Sarkast! Den werden Sie mögen.








