Das wahre Wesen der Ökonomie

Ich bin ein großer Freund der Landwirtschaft. Nicht nur, weil vor unserer Haustür ein Dutzend Pferde über die Koppel trabte und der Bauer zur Freude meiner Eltern am liebsten zum Wochenende seine Gülle ausfuhr. Mein Vater schimpfte dann immer auf „die Ökonomen“, was ich damals noch nicht so ganz verstand. Immerhin: Der eine oder andere benachbarte Landwirt überließ mir schon in jungen Jahren das Steuer seines Traktors, und nach einigen Erntezyklen mit großen Verdiensten um die Butter- und Getreideberge der Europäischen Gemeinschaft lernte ich sogar, einen Mähdrescher zu beherrschen. Und ich lernte, dass für den Wohlstand der Branche „die Großkopferten in Bonn und in Brüssel“ viel wichtiger als das Wetter sind.

Ein fröhliches Wiedersehen mit der Landwirtschaft feierte ich dann bei der Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Der richtige Einsatz von Personal, Maschinen und Werkstoffen, Gewinnschwelle und Grenznutzen, das Gesetz von Angebot und Nachfrage – die Regeln der Ökonomie werden letztlich immer vom Modell des Ackers hergeleitet, den ein Bauer bewirtschaftet. Mein Vater hatte mit den Ökonomen also recht gehabt.

Inzwischen staune ich allerdings wieder, wie wenig ökonomisch die Landwirtschaftspolitik sich geriert. So hat man in Brüssel gemerkt, dass durch die Beschränkung und Steuerung der Märkte nicht nur die einst durch Subventionen entstandenen Getreideberge oder Milchseen verschwunden sind. Die EU produziert nicht mehr genug Nahrung, seit aufstrebende Volkswirtschaften etwa aus Asien die Versorgung ihrer Einwohner auch durch Einkauf in Europa sicherstellen. Zusätzlich entzieht die erst durch Subvention im großen Stil mögliche Produktion von Biosprit und -gas dem Markt wertvolle Lebensmittel, die dann eben verheizt oder vergast werden. Die Folge: Die Felder, für die den Bauern jahrelang stolze Stilllegungsprämien bezahlt wurden, dürfen nun wieder für die Nahrungsproduktion eingesetzt werden.

Dumm nur: Auf den stillgelegten Flächen ist schon längst mächtig was los. Da blüht der Raps, da wogt der Weizen – die Bauern durften die zusätzliche Ernte nur nicht dem Nahrungsmittelmarkt zuführen. Also landet der stark gedüngte Ertrag letztlich an der Tankstelle oder in der Steckdose. Und mehr Anbauflächen werden nicht zur Verfügung stehen.

Von einer Marktwirtschaft sind die Brüsseler Bürokraten also weit entfernt. Bis 2013 sind den EU-Bauern von der Atlantikküste bis zum Schwarzen Meer 43 Milliarden Euro Subventionen jährlich garantiert (www.iwkoeln.de/). Wenn die Bauern dieses Geld freudig einstecken, handeln sie zutiefst ökonomisch.

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