Der wirkliche Nettolohn-Skandal
„Arbeitnehmer in Deutschland verdienen so wenig wie seit 20 Jahren nicht mehr“ schreiben heute die Kollegen von der „Bild“. Sie berufen sich dabei auf neueste Zahlen des Bundesarbeitsministeriums: Nach Abzug aller Steuern und Sozialabgaben sowie der Berücksichtigung der Preisentwicklung lag der so genannte Nettorealverdienst im vergangenen Jahr im Schnitt bei 15.845 Euro oder 1320,42 Euro im Monat. Zwei Jahrzehnte zuvor hatte der Durchschnittsarbeitnehmer mit (zurückgerechneten) 1315,40 Euro pro Monat praktisch genauso viel in der Tasche.
Da erstaunt es wenig, dass DGB-Chef Michael Sommer sofort wieder nach Mindestlöhnen für alle rief: „Es gibt dringenden Nachholbedarf für den kleinen Mann – die Geldbeutel der Menschen wurden in den vergangenen Jahren geschröpft.“
Wirklich gestaunt habe ich über den Umstand, dass für den Obergewerkschafter ausgerechnet höhere Löhne und vor allem der Mindestlohn den Menschen in unserem Land mehr Wohlstand bringen sollen. Denn steigende Löhne bedeuten in aller Regel auch steigende Preise. Und diese Preissteigerung ist kontraproduktiv für die Arbeitnehmer, wie die Zahlen aus Berlin belegen. Demnach stiegen die Bruttolöhne in den vergangenen fünf Jahren zwar um insgesamt 4,1 Prozent, die Teuerungsrate im selben Zeitraum betrug aber 7,1 Prozent.
Am erstaunlichsten aber ist, dass niemand in der politischen Öffentlichkeit die Frage aufwirft, warum wirklich nach 20 Jahren für Arbeitnehmer kein Plus drin ist. Die einfache Antwort: Es sind nicht gierige oder geizige Unternehmer, sondern Vater Staat, der seine Kinder schröpft. Die Gesamtabzüge vom Bruttolohn erreichten 2006 nämlich einen neuen Rekord, sie sind seit 1986 um fast 66 Prozent gestiegen, weit mehr als die Bruttolöhne mit 48 Prozent plus. Statt 5607 (1986) Euro kassierte der Staat nun im Schnitt 9291 Euro an Lohnsteuer und Sozialbeiträgen.
Die Forderung muss also heißen: Nicht ein Mindestlohn muss her, sondern eine Maximalgrenze für staatliche Abzüge.








