Potterville
Neulich rief eine Dame offensichtlich höheren Alters in der Redaktion an. 70 000 Euro hatte sie gespart und bei den Banken A, B und C angelegt. Und jetzt plagten sie Sorgen, dass das Geld den Gulli runter geht – da sei doch diese schlimme Bankenkrise. Also bitteschön, sie wolle nun einen Rat, bei welcher Bank das Geld „wirklich“ sicher sei. Das Telefonat dauerte gut 20 Minuten. Von der gesetzlichen Einlagensicherung wusste die Anruferin nämlich genauso wenig wie vom Einlagensicherungsfonds der Banken. Und dass sie damit bei den Instituten A, B und C auf der sicheren Seite sei, akzeptierte sie so recht sogar nach besagten 20 Minuten nicht …
So ist das derzeit wohl auch bei den Nachbarn auf der Insel. Da gibt es auch eine Art Einlagensicherung, und trotzdem rennnen Kunden der Northern Rock die Bude ein, um ihre Einlagen abzuziehen. Irrational. Vielleicht verständlich, wenn man ein Kind der Weltwirtschaftskrise ist, ansonsten irrational.
Jetzt die dazu passende Frage an die Cineasten. Aus welchem Film stammt folgende Szene (kleine Hilfe, der Streifen wird gerne an Weihnachten gezeigt. Wer klickt, sieht’s besser):
Ja, das ist der wunderbare James Stewart als George Bailey und die wunderbare Donna Reed als Mary Hatch in It’s a Wonderful Life. Das passt insofern, weil die Kunden von Baileys Hypothekenbank Building and Loan genauso ihr Geld abziehen wollen, wie jetzt im Fall der Northern Rock (mit dem Unterschied, dass es im Film wie in der damaligen Realität keine Einlagensicherung gab). Schuld am Schlamassel ist der Bösewicht Potter, der die Bank wie die ganze Stadt Bedford Falls unter seine Fittiche bekommen will, um ihr dann den schönen Namen Potterville zu verpassen. In der realen Welt steht Potter natürlich – Vorsicht Ironie – für die Hedgefonds! Und so sieht er aus, der Henry F. Potter:
Am Ende scheitert der Hedgefonds, ähm, pardon, Mister Potter. Unterm Bailey-Weihnachtsbaum klingeln die Glöckchen, und ein Engel bekommt seine Flügel. Alles wird gut. In der Realität von heute werden die Hypothekenbanken von den Notenbanken und Konsortien gerettet (bail out) und US-Notenbankchef Ben Bernanke verdient sich morgen seine Flügel mit einer Zinssenkung. Moral Hazard hin oder her.
Ich bin schon ein notorisch unverbesserlicher Optimist.
Und sonst? Vier Blog-Beiträge noch, dann verabschiedet sich Blümel in die „Sommer“-Ferien. Dann übernimmt mein zynischer Kollege für einige Zeit das Ruder (sie werden ihn nicht mögen!). Wohin die Reise geht? Ostsee, Fischland Darß. Da kann zu der Jahreszeit doch auch nur ein hoffnungsvoller Optimist hinfahren! Wetter zur Stunde: bewölkt, 16 Grad. Das wird schon!








