… über Italien

Alle maulen über teure Lebensmittel. Zuerst die Mexikaner (Tortillas), dann die Franzosen (Baguettes), darauf die Deutschen (Milch), jetzt die Italiener (Pasta – naturalmente). Ich versteh’ das nicht. Mich lässt es völlig kalt, wieviel Cent mehr ich für den Tetrapack Milch an der Supermarktkasse berappen muss. Schuld an meinem Desinteresse hat vermutlich meine Mutter – naturalmente, letztlich sind ja immer frühkindliche Erlebnisse ausschlaggebend.

Das war nämlich so: Weil in meinen Kindheitstagen die Schweiz nahe lag, fuhr Mutti mit Freundinnen regelmäßig nach Kreuzlingen zum Einkaufen. Zum Migros! Nudle kaufe’, Schoklad’ kaufe’. Weil die Migros-Waren do halt viel besser schmecked. So war das. Unsinnig natürlich. Die Nudeln waren deutlich teurer, Sprit war ja auch nicht umsonst, und die Schweizer selbst, hm, wie soll ich sagen, eher abweisend („Wir bitten die deutschen Gäste die Toilette so zu verlassen, wie sie vorgefunden wurde“).

Durch die Kreuzlingen-Erfahrung bin ich jetzt bei Lebensmitteln recht „Preis-unelastisch“ und denk’ mir meinen Teil: Lass sie mal demonstrieren, die Italiener, gell. Dabei wäre Investieren die bessere Lösung: Meinen Kreuzlingen/Milch/Butter/Pasta/Tortilla-Hedge hab’ ich ja schon mal vorgestellt (tauglich übrigens auch als Benzin-Hedge): Rohstoffinvestments. Das hier oder das hier.

Das Kreuzlingen-Phänomen wird jedoch auch wieder nachlassen, schließlich fallen die Ernten nicht immer so schlecht aus wie dieser Tage, und die Europäische Union will angeblich die Stilllegung von landwirtschaftlichen Flächen aussetzen und über die Milch-Quote diskutieren (was ist denn da in Brüssel los!?). Vor diesem Hintergrund scheinen die Preise für Soft Commodities teilweise etwas überzogen. Weizen etwa ist 78 Prozent teurer als vor Jahresfrist, Mais 50 Prozent.

Wir hedgen trotzdem. Der Appetit der Italiener auf Pasta ist nämlich ungebrochen (und wenn die Chinesen erst mal auf den Geschmack kommen …)

Und sonst? Der Welt sensationellste Automobilfirma Toyota (Japan) ist das nur, weil sie US-amerikanische Lektionen lernte! Sagt Shoichiro Toyoda, der Sohn des Firmengründers. 1957 habe er mit dem „Toyopet Crown“ nur abschüssige Highway-Auffahrten nutzen können. Ging es bergauf, blieb die Kiste liegen. Die Autos wurden darauf leichter gebaut und mit stärkeren Motoren ausgerüstet. Lektion gelernt. Seit Jahren müssen jetzt die Amerikaner lernen. Aber ob sie es tun?

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