… über den Ölpreis
Mein guter Freund Olli bekommt einen Firmenwagen gestellt. Gut für ihn. Trotzdem ist er nicht recht glücklich, was daran liegen mag, dass er sich für eine Spritschleuder entschieden hat (einen Touareg). Das ist erstens schlecht für’s Image, gehört das Gefährt ja nicht gerade zur Öko-Avantgarde, und zweitens schlecht für Ollis Geldbeutel, kostet der Liter Super doch schon stolze 1,37 Euro. Und dabei wird es wohl nicht bleiben, das Fass Öl (Crude) wird schließlich für 80 Dollar gehandelt (ich verweise da gerne auf meine mit seherischen Qualitäten ausgestattete Schwiegermutter in spe).
Ja, ja, die Verbrecher von der Opec! Die bereichern sich gern an unserem Spritdurst!
Aber so einfach ist es dann doch nicht. Die Opec hat sicherlich auch gemerkt, dass sich die Weltwirtschaft aus vielerlei Gründen abschwächen könnte, etwa wegen der anhaltenden Liquiditätskrise mit all ihren Eventualitäten. Ein zusätzlich immer höherer Ölpreis wäre da sicher nicht hilfreich. Und einen Abschwung bekämen auch die Scheichs durch fallende Nachfrage zu spüren. Darum gab die Organisation erdölexportierender Länder eine Produktionserhöhung bekannt (ab 1. November 500 000 Barrel mehr pro Tag), um die Lage zu entspannen.
Bewirkt jedoch, hat das gar nichts, der Ölpreis bleibt hoch!
Über die Gründe darf jetzt spekuliert werden. Jeffrey Currie von Goldman Sachs etwa packt die Aktion der Opec in die Kategorie „zu wenig, zu spät“. Roger Diwan vom Beratunsgunternehmen PFC Energy geht noch einen Schritt weiter. Für ihn hat die Opec die Kontrolle über die Preisgestaltung verloren! Spekulanten wären jetzt am Ruder. Aktuell ist Öl am Spotmarkt nämlich teurer als längerlaufende Futures-Kontrake. Das nennt man „Backwardation“, ein eher selten auftretendes Phänomen. Bis vor kurzem war das Gegenteil der Fall, „Contango“, die Futures waren teurer als der Spot-Preis. „Once Backwardation starts, it is bad news“, sagt Diwan.
Mit Backwardation machen Spekulanten easy money, Öl wird am Frontend gekauft, und wenn die Kontrake auslaufen in günstigere Kontrake „gerollt“. Beim Contango-Phänomen dagegen treten Rollverluste auf.
Aber genug der Theorie. Die Opec jedenfalls ist gefordert. Die Ölhähne müssen aufgedreht werden, damit das Backwardation-Phänomen tatsächlich nicht außer Kontrolle gerät. Jedoch: An den tendenziell steigenden Preisen wird das in the long run trotzdem nichts ändern. Erstens aufgrund der seherischen Qualitäten meiner Schwiegermutter in spe, und zweitens weil Ölförderung immer teurer wird und das sich in den Preisen widerspiegeln muss. Öl- und Energieinvestments bleiben damit aussichtsreich.
Und sonst? Statt Touareg empfiehlt sich Carsharing, echte Öko-Avantgarde.
Und sonst noch? Wer die wirklichen Zusammenhänge im Ölgeschäft verstehen will, halte sich an die Simpsons (Staffel 6, Wer erschoß Mr. Burns, hab’ leider keinen frei zugänglichen Clip im Web gefunden…)








