Hilfe von Uncle Sam

Ich schätze ja beide: Bill Gross, Koryphäe für die großen Zusammenhänge bei Pimco, und Martin Wolf, Koryphäe für die großen Zusammenhänge bei der „Financial Times“ . Allerdings bringen die beiden mich jetzt in die Bredouille, denn gegensätzlicher könnte die Meinung der beiden Herren zur Finanzkrise nicht sein.

Wolf ist knallhart: Central banks should not rescue fools heißt seine neueste Kolumne. Wolf befürchtet, dass die Glaubwürdigkeit der Fed auf dem Spiel steht, weil Ben Bernanke und Co nicht mehr klar unterscheiden zwischen den Zielen volkswirtschaftliche Stabilität und gesundes Finanzsystem. Mit Zinssenkungen würde Bernanke zwar vermutlich das System stabilisieren, aber auch die Suckers retten, die schlechten Unternehmen mit schlechten Geschäftsmodellen. Und gleichzeitig gefährdet er damit die Stabilität der Volkswirtschaft, indem er die Entwicklung der Inflation ignoriert.Gross sieht das ein bisschen anders. Für ihn ist die Fed gar die falsche Institution, um aus der Krise zu finden. Er ruft daher nach Uncle Sam! Auch auf die Gefahr hin, dass die Suckers überleben. Hier seine Meinung:

„100 bis 200 Milliarden Dollar ist eine angebrachte Schätzung für die faulen Kredite und verzugsgefährdeten Verbriefungen von Subprime-Hypotheken im US-Immobilienmarkt, die in den nächsten Jahren zum Vorschein kommen dürften. Nur: Niemand weiß wirklich, wo. Diese Ungewissheit untergräbt das Vertrauen an den Märkten. Geld wird an der Wall Street und in London zurzeit sinngemäss unter Matratzen versteckt, anstatt es an die zunehmend verzweifelten Hedgefonds und andere gehebelte Anlagevehikel zu verleihen. In einem solchen Umfeld werden Märkte unglaublich volatil, und alle Anlagen mit Ausnahme von US-Staatsanleihen sehen verdächtig aus.
Die Lösung, so scheint mir, darf nicht vom Hauptsitz der US-Notenbank Fed an der Constitution Avenue ausgehen, sondern muss vom Westflügel des Weißen Hauses an der 1600 Pennsylvania Avenue kommen. Fiskal-, nicht Geldpolitik sollte das Mittel der Wahl sein. Warum konnten Anfang der Neunzigerjahre zum Beispiel korrupte Spar-und Leihkassen-Freibeuter in einem staatlichen Auffangfonds gerettet werden, während in 2007 zwei Millionen Eigenheimbesitzer den Wölfen zum Fraß vorgeworfen werden?
Eine solche Rettung – die zugegeben auch Spekulanten aus der Klemme helfen würde, die Schlimmeres verdienten – würde Millionen von hart arbeitenden und nunmehr verzweifelnden Amerikanern unterstützen. Republikanische Politiker könnten sich eine neue Anhängerschaft unter Wählern für Generationen sichern: die „beinahe obdachlosen Eigenheimbesitzer“. Machen Sie mit, Herr Präsident und Herr Finanzminister. Schreiben Sie ein paar Schecks aus, helfen Sie ihnen aus, verhindern Sie eine destruktive Hauspreisdeflation, die Notenbankchef Ben Bernanke nicht abwenden kann.“

Zwei Koryphäen, zwei Meinungen. Das Kreditproblem ist ein komplexes.

Und sonst? Bill Gross wurde anscheinend im Westflügel des Weißen Hauses an der 1600 Pennsylvania Avenue gehört. Präsident George W. Bush will am späten Nachmittag Pläne vorstellen über Kredithilfen für Hausbesitzer mit Zahlungsschwierigkeiten, Steuererleichterungen und strengere Bedingungen für die Kreditvergabe. Die Börse reagiert positiv …

2 Reaktionen zu “Hilfe von Uncle Sam”

  1. Peter Movrat

    Da da bin ich ja mal gespannt
    a) was Bush sagt
    b) wie die Börsen reagieren (es lässt doch schon wieder nach)
    c) was Bernenke tatsächlich macht
    Ich fürchte, wir haben es mit einer “bunch of cowards” zu tun. Martin Wolf hat recht!

  2. Peter Movrat

    Ich wuste es doch:
    Das Hilfspaket von Bush ist nur eine populistische PR-Aktion. Nur 80000 klamme Hypothekennehmer kommen in den Genuss einer staatlichen Kreditbürgschaft.
    Aber vielleicht ist das auch besser so. Die “Fools” sollen die Suppe selbst auslöffeln, die sie sich eingebrockt haben!

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