Blasen-Export

Hongkong ist jetzt auch ein Paralleluniversum. Zumindest die Börse. Wie anders erklären wir uns sonst das Allzeithoch beim Hang-Seng-Index und das Allzeithoch beim Hang-Seng-China-Enterprises-Index und das Allzeithoch beim Hang-Seng-China-Affiliated-Index!? Wir haben doch eine Kreditkrise da draußen. Eine Börsenhausse passt da nun wirklich nicht ins Bild. Es sei denn, die Börsen heißen Shanghai und Shenzhen (ich hab’s ja schon mal geschrieben). Und jetzt eben auch Hongkong.

Denn neu ist, dass seit Montag vergangener Woche die Anleger aus der Volksrepublik in die ehemaligen Kronkolonie einfallen – mehr als je zuvor. Die bisherigen Kapitalverkehrskontrollen, die umgerechnet nur 50 000 Dollar Auslandsinvestionen pro chinesischem Kopf erlaubten, sind nämlich gefallen.

Und so kommt’s zum Blasen-Export. Weil die Aktien in Shenzhen und Shanghai hoffnungslos überteuert sind (KGVs von 40 oder 50 sind dort völlig normal), werden jetzt eben die günstigeren Hongkong-Aktien gekauft, bevorzugt die Werte, die hüben wie drüben notieren (Dual-Listing). Seit Montag vergangener Woche stiegen die Kurse in Hongkong so im Schnitt um 30 Prozent (siehe Chart). Blasen-Export eben.

Hangseng

Meiner Schwiegermutter in spe ist das suspekt. „Das geht doch niemals gut“, sagt sie. „Wer weiß“, sage ich. Die Hongkong-Aktien haben jetzt ein KGV von im Schnitt etwa 21. Na, da ist doch noch Platz nach oben, der Hang Seng darf locker 100 Prozent zulegen, um das Bewertungsniveau von Shanghai zu erreichen (dazu gibt es auch ein gutes Interview mit Akexander Banik von der DWS).

Aber ob die Rechnung so simpel ist? Im Gegensatz zu Shanghai wird Hongkong schließlich von ausländischen Großanlegern dominiert. Und noch einmal im Gegensatz zu Shanghai, können die in Hongkong auch auf fallende Kurse spekulieren. So ein Blasen-Export wäre dann ganz schnell beendet.

Und sonst? Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht ja derzeit China, die Super-Wirtschaftsmacht Asiens. In den 80ern war es noch Japan, das gehätschelt wurde. Unser damaliger Kanzler – dessen unglaubliche Machtfülle inzwischen auch Merkel zugeschrieben wird – besuchte gar die Tokioter Börse. Ein Besuch von „An Ji La Mo Ke Er“ am Handelsplatz Shanghai ist jedoch nicht geplant. Schade, man hätte sie dort sicher ähnlich schön auf der Besuchergalerie verewigt wie ihren Vor-Vorgänger am Kabutocho … (Bitte Bild anklicken, um den leicht unscharfen Herrn in Azur in voller Größe zu sehen)

Kanzler

2 Reaktionen zu “Blasen-Export”

  1. Bruce

    In der Welt steht, HK-Aktien sind jetzt die teuersten der Welt. Verkaufen?

  2. Bruce

    http://www.welt.de/welt_print/article1140158/Aktienhysterie_in_China_erreicht_neuen_Hoehepunkt.html

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