Schwammköpfe
Deutsche Verbraucherschützer fordern von der EU-Kommission einen Einfuhrstopp für Spielwaren aus China, wenn weiter gesundheitsgefährdendes Spielzeug auf den Markt kommt. „Das wäre ein Signal, das Peking sofort verstünde“, meint Gerd Billen, der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.
Das wundert mich jetzt, Herr Billen. Warum Peking? Das ist doch der falsche Adressat!
Die Signale müssen nach Ashland, Ohio. Da sitzt das Unternehmen Martin Designs (deren Web-Site gerade nicht abrufbar ist). Martin Designs ruft gerade 250 000 „Spongebob-SquarePants-Notizbücher” zurück, weil in deren Spiralbindung zu hohe Bleiwerte gefunden wurden. Gefertigt wurden die Bücher in China, gut, der Autrag aber kam aus den USA.
Herr Billen! Signal also nach Ashland bitte. Oder nach El Segundo, Kalifornien.
Dort gibt es die Firma Mattel. Die musste vor Kurzem insgesamt 19,7 Millionen Artikel zurückrufen. Etwa Fräulein Polly Pocket mit schickem Automobil. Ebenfalls in China gefertigt, geordert aber von Mattel in El Segundo.
Kann man da von Mitverantwortung sprechen? Aber sicher doch. Mehr noch: Wer die Ware hier in die Geschäfte bringt, ist für deren Qualität auch verantwortlich!
Was nun also Herr Billen? Alles Schwammköpfe da draußen, oder? Die saugen doch alles dankbar auf, was man ihnen an Halbwahrheiten so auftischt. So schafft man Feindbilder. Differenzierte Betrachtungsweisen sind doch lästig, nicht wahr? (Langsam Blümel, das klingt ja schon nach dem zynischen Kollegen.)
Ein ganzes Land wird so in Sippenhaft genommen. Alles fürchterlich, was der Chinese hier so reinschleppt. Dabei wären ein paar Fakten hilfreich: Bisher gab es Rückrufe für Produkte made in China im Gegenwert von 700 Millionen Dollar – das entspricht 0,1 Prozent aller Exporte aus dem Reich der Mitte im vergangenen Jahr.
Aber ist der Ruf erst ruiniert … Wenn China so zum Synonym für Schrottwaren wird (ob gerechtfertigt oder nicht), wäre das in der Tat ein Signal, das Peking verstünde. China-Aktien bekäme das nicht gut.
Und sonst? Die Bank of America (ein Buffett-Investment) kauft sich für zwei Milliarden Dollar bei Countrywide (ein mutmaßliches Buffett-Investment) ein. It’s Buffett-time!









Am 28. August 2007 um 14:13 Uhr
Na immerhin scheint die Bundesregierung durchzublicken. Frau Merkel hat sich in Peking nicht zum Thema Spielzeug made in China geäußert! Lächerlich, was hier in der Medienlandschaft so abgeht!
Am 28. August 2007 um 14:16 Uhr
Geiz ist geil. Wir wollen es doch nicht anders.
Hauptsache der Kram kost’ nix. Dabei sind wir doch mündige Verbraucher, oder nicht!?