Hoffnung
So leid es mir tut: Liebe Kollegen von der „Bild“, Ihr hinkt hinterher. Keine Story zum Börsen-Chaos! Heute nicht. Und die vergangenen Tage auch nicht. Anders die Kollegen aus London. „Black Thursday“ heißt es bei „The Sun“ auf Seite 1. Herrlich, wie die da fabulieren: panic, crisis-hit, sell hell, shockwaves, drama …
Das macht Hoffnung. Wenn die Boulevards auf Börsenthemen anspringen, ist es – im Jubelfall – zu spät zum Einsteigen oder – wie jetzt – zu spät zum Aussteigen. Das ist jetzt natürlich eine recht simple Kausalität, zugegeben. Vielleicht ist auch der Wunsch Vater des Gedankens. Dass die Yellow Press als Kontraindikator taugt, hat sie aber schon bewiesen. Ich erinnere mich an einen euphorisierten Börsentitel der „Bild“ Anfang 2001. Wir wissen, was folgte.
Also bitte, tut uns doch den Gefallen: Schreibt BÖRSENPANIK vorn drauf.
Wenn wir schon beim Thema Hoffnung sind: Die schöpfen manche auch daraus, dass die Kurse an der Wall Street gestern in der letzten Handelstunde scharf anzogen und die Tagesverluste bis zur Schlussglocke ausglichen. In den vergangenen Wochen dagegen war fast immer das Gegenteil der Fall. Und weil nach altem Wall-Street-Glauben hintenraus immer die abgezockten Profis zugange sind – also die vermeintlichen Top-Investoren, die vermeintlich wissen was sie tun – wird gehofft.
Hoffnung auch, weil Warren Buffett bei CNBC von Einstiegschancen sprach – wenn auch etwas nebulös. Und Hoffnung, weil vor allem Bankaktien aufholten, was Buffett in die Karten spielt (siehe meinen Beitrag vom Mittwoch). Vielleicht ist ja doch nicht alles so schlim, wie der Cartoonist Ben Sargent befürchtet.
Und sonst: Warum ist Profi-Kicker Rafael van der Vaart plötzlich ein Bösewicht? Dass er beim gestrigen Spiel nicht mittat, könnte seinem Arbeitgeber Hamburger SV viele, viele Millionen retten. Sollte der Niederländer doch noch wechseln, wäre er dank seines gestrigen Tribünenplatzes für den potenziellen neuen Arbeitgeber FC Valencia auch in der Champions League spielberechtigt. Das weiß auch der Hamburger SV. Jede Wette: Der Spieler hat mit dem Segen des Vereins „gestreikt“. Der HSV hat so schließlich den wertvollsten Teil seines Umlaufvermögens zusammengehalten. Was anderes sind Fußballerbeine letztlich nicht.








