Korrekturen
„Die Korrektur, als sie schließlich kam, war kein jähes Platzen einer Seifenblase, sondern ein viel sanfteres Nachgeben, ein Erschlaffen der Finanzschlüsselmärkte, eine Schrumpfung, zu allmählich, um Schlagzeilen hervorzubringen, und zu vorsehbar, um irgendjemandem ernsthaft zu schaden – mit Ausnahme von Dummköpfen und denen, die wenig Geld verdienten.“
Kommt Ihnen bekannt vor? So steht’s bei Jonathan Franzens „Die Korrekturen“ (Wer es noch nicht gelesen hat, bekommt das Buch bei Amazon recht günstig – zu korrigiertem Preis sozusagen).
Ein bisschen Franzen steckt auch in den Korrekturen des Sommers 2007. Die Märkte geben nach, ohne zu platzen, sie erschlaffen. Allerdings: nicht so sanft wie in der Fiktion, und Schlagzeilen gibt es nun wirklich mehr als genug. Bei der „TAZ“ etwa fragt man sich ernsthaft, ob man sich über den Börsencrash freuen dürfte … Na die haben Sorgen.
Bliebe die Sache mit den Dummköpfen. Da sind wir doch außen vor, oder? Die Grundsätze vernünftiger „Asset Allocation“ haben wir doch alle beherzigt, und wer auf lange Sicht investiert ist, den müssten die Schlagzeilen eher erstaunen oder amüsieren, denn erschrecken.
Das habe ich auch meiner bisweilen etwas ängstlichen, aber vernünftig investierten Schwiegermutter in spe gesagt, zwischen zwei ordentlichen Stücken Pflaumenkuchen. Sie gab sich damit allerdings nicht zufrieden. Warum denn der Goldpreis nicht steige, fragte sie mich, das sei doch ein Kriseninvestment. Mampfend sass ich da und versuchte, die darauf auftretende plötzliche Leere in meinem Kopf mit Anhäufen von Schlagsahne auf Kuchen zu füllen.
Das half nach einer kleinen Weile. Folgendes habe ich meiner Kuchenbäckerin gesagt: Weil die Geldverwalter nicht recht abschätzen können, wie schlimm es um ihre Anleiheninvestments steht, bilden sie Rücklagen. Oder sie schießen bereits Geld nach, um entstandene Löcher zu stopfen, Verluste auszugleichen. Und woher stammen diese Finanzspritzen? Nein, nein, nicht aus neuen Krediten! Sie verkaufen andere Assets. Und schon wissen wir, warum das Kriseninvestment Gold nicht längst über 700 Dollar die Unze notiert. Gold also nicht verkaufen, liebe Schwiegermutter in spe.
Und sonst? Vor 30 Jahren starb Elvis Presley. Da kann man mal wieder reinhören.









Am 13. August 2007 um 13:16 Uhr
Lieber Herr Bluemel,
es ist eine Freude Ihren Blog zu lesen. Weiter so!
Barry