Glauben Banker Bankern?
Die US-Hypothekenkrise zieht ihre Kreise, und die Geldinstitute in Europa haben recht plötzlich beschlossen, Geld zu horten. Die EZB musste mit einer Finanzspritze in Höhe von fast 100 Milliarden Euro dafür sorgen, dass der Interbankenmarkt nicht in größere Liquiditätsschwierigkeiten gerät. Die US-Immobilienkrise hat sich seit mehreren Monaten angekündigt, und die ersten Fonds gerieten in Schieflage. Doch jeder Banker, den man in diesen Tagen fragt, ob er betroffen sei, verneint dies. Wir glauben jedem einzelnen.
Der zynische Kollege fragt sich allerdings, ob die Banker ihren Kollegen aus den Chefetagen der anderen Institute auch glauben? Denn es ist schon erstaunlich, dass plötzlich (fast) alle ihr Geld bunkern. Wäre es denn nicht üblich, wenn man von faulen Krediten nichts zu befürchten hätte, dem Tagesgeschäft nachzugehen? Ich vermute mal, dass die Subprime-Krise die Banker für Gerüchte anfällig macht, bzw. sensibilisiert. Aus der Angst heraus, innerhalb von wenigen Stunden reagieren zu müssen, falls einer der Bankkollegen doch ein bisschen geschwindelt hat, hält man sich vom Geldmarkt fern. Denn dort wird schnell und ohne große Sicherheiten kurzfristige Liquidität ausgetauscht.
Vertrauen ist gut – aber sein Pulver trocken zu halten ist auch nicht unklug. Und wenn einer damit anfängt, handeln die anderen doch ganz vernünftig, wenn sie auch erst mal eine Denkpause einlegen. So gesehen ist die Flaute am Interbankenmarkt wiederum nicht erstaunlich. Schließlich kennen Banker Banker am besten.








