Milch-Hedging und Planwirtschaft

Die Korrektur der Märkte hält auch zum Wochenanfang noch an. Nicht schön, aber irgendwie zu erwarten.
Trotzdem haben manche kräftig investiert. Am Samstag. Welche Börsen hatten denn da offen, fragen Sie sich jetzt? Keine, dafür der Supermarkt. 20 Kilo Butter haben da manche gekauft und zehn Steigen Milch. Haltbar bis Dezember, da ultrahocherhitzt – wie Teile der Agrarmärkte.

Seltsame Vorgänge, die zeigen, dass die Politik der EU nicht gelernt hat, wie Märkte funktionieren. Und dass die aktuellen Preissteigerungen der Lebensmittel-Branche nicht auf üble Marktabsprachen von beispielsweise Theo Müller (Müller-Milch), Toni Meggle (Meggle-Butter) oder Uli Bauer (Bauer-Joghurt) zurückgehen. Sondern auf die Einmischung der Politik.

Und die wird weitergehen. EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel will, wie sie den Kollegen von „Bild am Sonntag“ erzählte, „die Preissteigerungen trotzdem genau verfolgen, und wir reagieren mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen“.
Um Gottes willen! Wir werden noch alle verhungern, wenn die Funktionärstruppe nicht endlich die Finger vom Markt lässt.

Erst hatte man in Brüssel per Subventionierung die Milchproduktion angeheizt, dann die Milchquote zum Bremsen der selbstverschuldeten Marktverzerrung eingeführt, durch Förderung von Biosprit die Bauern gezwungen, statt Gras für Kühe Mais für Biosprit anzubauen. Und nun reagiert man wieder mit „Mitteln, die uns zur Verfügung stehen“ – mit Eingriffen in den Markt. Wie wäre es mit einer einfachen Aufhebung der Milchquote, einem Verzicht auf Eingriffe in den Markt?

Das alles weiß man inzwischen, trotzdem bringen mich immer wieder Beispiele aus der EU-regulierten Wirtschaft zum Staunen. Ein Kollege vom Land erzählte heute morgen folgende Geschichte: Ein Landwirt hat von seinen Nachbarn kräftig Milchquoten geleast. Weil aber seine Wiesen von Natur aus nicht so viel Gras hergeben, wie seine Kühe brauchen, muss er nun teuer während des Jahres Grassamen nachsäen. Die Nachbarn indes, die inzwischen für ihre nicht genutzten Wiesen Stilllegungsprämie aus Brüssel kassieren, wollen diese zwar wieder in Betrieb nehmen – aber nur für die Produktion von Pflanzen für Biosprit. Die Rohstoffeinkäufer der Raffinerien garantieren ihnen nämlich den Preis für die Ernte auf Jahre hinweg.

So werden Milch und Butter also teuer bleiben. Im Herbst werde ich vielleicht Urlaub auf dem Bauernhof machen, dort quasi (Plan-)Wirtschaft studieren. Schließlich haben die Arbeitgeber jüngst gefordert, dass wir uns im Urlaub fortbilden sollen.

Einen Kommentar schreiben

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Sie müssen die 7 Zeichen im Bild, (Zahlen von 0 - 9 und Buchstaben von A - F), in das Feld eintragen und das Formular abschicken um den Kommentar zu senden.

  

Code neu Generieren