Made in China
Schon bald wird China uns den Platz als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abjagen. So steht es dieser Tage in vielen Zeitungen. Für manche ist das eine Sensation, für andere eine Bedrohung, und wieder andere sehen Chancen darin, die sie am Schopfe packen wollen. Und ich? Tja, ich lass da mal die Luft raus und lehne mich erschöpft-gelangweilt und gar nicht staunend zurück – Chinas wirtschaftlicher Aufschwung ist doch nichts als reine Normalität, oder nicht?
Irgendwann müssen sie logischerweise aufschließen, die Regierung hat ehrgeizige Ziele, mit 1,3 Milliarden Einwohnern so viel Arbeitskraft wie kein anderes Land, und die Wachstumsraten liegen seit Jahr und Tag um die zehn Prozent – aktuell sogar bei fast zwölf.
Ich staune also nicht, dafür aber meine Schwiegermutter in spe. „Wie soll das denn angehen? Die liefern doch nur Nippes“, sagt sie.
„Tun sie nicht“, sage ich. Und staune jetzt doch. Meine Schwiegermutter in spe ist ja nicht von ungefähr china-skeptisch. Und schon habe ich einen schlimmen Verdacht (und beende damit meine Woche der Medienschelte, versprochen): Es liegt an der einseitigen China-Berichterstattung!
Der Test: Man gebe „Made in China“ als Suchbegriff bei Google ein. Das Ergebnis liest sich dann wie folgt: Gefährliche Zahnpasta aus China, Made in China als Gesundheitsrisiko, Made in China bedeutet oft Zwangsarbeit, Qualitätsmängel aus China, Raubkopien aus China …
Das sind alles Probleme, unbestritten.
Aber „Made in China“ ist mehr als nur Probleme und Nippes exportiert nach Deutschland.
Da sind die ganzen Hightech-Markenprodukte, die in der Volksrepublik zusammengeschraubt werden. Mein japanischer Sony-Laptop etwa, mein amerikanischer Apple iPod unter Regie von Taiwans Hon Hai Precision, und ebenso mein koreanischer Samsung-Flatscreen (womit Sie jetzt auch Teile meiner Spielzeug-Sammlung kennen).
Dazu kommen immer mehr Produkte, die statt des Logos „Made in China“ eigentlich das Label „Ausgedacht, entwickelt und zusammengeschraubt in China“ tragen müssten: Kühlschränke und Waschmaschinen von Haier, Modems und Handys von Huawei, Laptops von Lenovo und irgendwann auch Autos von Brilliance oder Chery – wenn es denn mit den Crashtest klappt. (By the way: Von Lenovo gibt es lustige Bollywood-Clips bei wsj.com, Video-Center, Most Popular.)
Jetzt kommt sicher der Einwand: Aber die Marken kennt man doch gar nicht.
Mag sein, aber vor 20 Jahren haben wir auch noch die Nase gerümpft über Panasonic- und Toshiba-Fernseher aus Japan. Zehn Jahre später irritierten uns die Koreaner mit LG und Samsung. Heute sind die einstigen Nobodys in vielen Bereichen dominierend – auch in unseren Wohnzimmern.
Ob das die Chinesen auch schaffen? Wir werden alle Bauklötze staunen – nicht nur meine Schwiegermutter in spe …








