Initialzündung

„Alles in Tokio ist hässlich“, sagte Jean Touitou, ein französischer Mode-Designer, neulich in der „Süddeutschen Zeitung“. Das ist natürlich Unsinn (Sie merken, ich bin schon wieder am Widersprechen, wie die ganze Woche schon, was ist nur los?). Jedenfalls: Ich war schon drei Mal in der japanischen Hauptstadt, und es gab immer etwas zu entdecken (vielleicht muss man sich „einlassen“, Herr Touitou).

Aber worauf will ich hinaus?! Tokio, Japan. Für uns Kulturhungrige gibt es viel zu staunen. Und für uns Sparfüchse wird das immer erschwinglicher. Der Yen nämlich hat seit der Jahrtausendwende um 80 (in Buchstaben: achtzig) Prozent abgewertet!

Woran das liegt? An den niedrigen Zinsen in Japan. Das nutzen viele aus: Spekulanten haben nach Schätzung der Bank of Japan etwa 40 Billionen Yen (umgerechnet etwa 240 Milliarden Euro) geliehen und in höher verzinsten Währungen geparkt – in Euro, US-Dollar, aber auch in Exoten wie dem Neuseeland- oder Australdollar. Man nimmt also mal so roundabout vier Prozent Zinsdifferenz als Gewinn mit, ohne eigenes Geld eingesetzt zu haben (nimmt dafür aber ein Wechselkursrisiko in Kauf). So funktionieren die viel zitierten Carry Trades.

Damit sei aber irgendwann Schluss, behaupten viele Analysten und empfehlen Währungskonten in Yen oder Euro-Yen-Shortzertifikate.

Gut und recht. Aber warum sollte mit den Carry Trades Schluss sein? Weil Tokio hässlich ist? Fakt ist doch, dass die Zinsdifferenz zwischen Yen und den Hochzinswährungen groß ist und bleibt, egal ob die Bank of Japan nun weiter den Zins anheb oder die USA eventuell irgendwann das Gegenteil tut.

Es braucht einen Trigger, eine Initialzündung“, schreibt daher der Finanzmarkt-Düsterling Marc Faber und bezieht sich auf Robert Lind, einen Strategen von ABN Amro, der diese Initialzündung als „Black Swan“ bezeichnet (Verzeihung, aber manche Dinge lesen sich im Original besser, daher jetzt Englisch):

„It is currency volatility that ultimately kills carry trades. In 1998, the collapse of LTCM was the Black Swan event that triggered more volatility and the end of the trade. By definition, none of us can forecast these events. But in a world of unprecedented financial imbalances, there are plenty of potential triggers for renewed currency volatility and an end to the current carry trade.“

Es bedarf also schon eines Schocks, wie 1998 der Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM, damit der Yen wieder an Wert gewinnt. Ob eine (doch sehr vage und von manchen herbeigesehnte) Zinssenkung in den USA schon reicht, will ich jedoch bezweifeln. Das ist nicht Schock genug. Also Vorsicht, wer mit den Währungen spielen möchte!

Sollte der Fall eines Schocks jedoch tatsächlich eintreten, dürfte der Yen in atemberaubender Geschwindigkeit zulegen. Dann gilt für die Carry Trader nämlich nur noch das Prinzip Massenflucht!

Eine Wette will ich da aber noch nicht eingehen und denke zunächst doch lieber über eine Reise nach Japan nach …

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