Liquidität
Meine Schwiegermutter in spe ist nicht zufrieden. Der Aufschwung, von dem alle reden, sei bei Ihr noch nicht angekommen. Und liquider sei sie auch nicht – und das obwohl doch alle davon sprächen.
Doch ich muss ihr widersprechen. Stimmt, die Märkte schwimmen im Geld, an den Börsen ist Liquidität das Dauerthema. Das Allzeithoch beim Dax und die Börseneuphorie in Fernost kommen nicht von ungefähr, die Risikolust der Anleger ist hoch (wenn auch nicht bei den meisten deutschen Kleinanlegern). Und davon profitiert auch meine Schwiegermutter in spe – auch wenn sie es noch nicht gemerkt hat. Denn schlauerweise ist sie schon seit Jahr und Tag in Aktienfonds investiert.
Aber Vorsicht: Es ist weltweit so viel Geld vorhanden, dass Vermögensverwalter Jens Ehrhardt in der heutigen „FAZ“ von der „größten Blase aller Zeiten spricht“.
Die größte Blase aller Zeiten? Herrje! Schon machen sich Sorgenfalten auf Anlegers Stirn breit. Auch bei meiner Schwiegermutter in spe. Gehen wir zu viel Risiko ein? Bei der „Süddeutschen Zeitung“ heißt es: „Dass der nächste Kursabsturz kommt, erscheint naheliegend“ und „es drohen Schwierigkeiten von den Zinsen, sie klettern schier unaufhaltsam.“
Das stimmt nicht ganz – ich muss erneut widersprechen. Zyklische Auf- und Abschwünge an den Börsen sind die Regel, d’accord. Nur die Zinsen steigen nicht unaufhaltsam, wie behauptet, das ist schlichtweg falsch. Und es ist der Hauptgrund, warum der nächste Kurssturz vermutlich länger auf sich warten lässt als es die „Süddeutsche Zeitung“ befürchtet.
Trotz gestiegener Nominalzinsen sind die Realzinsen mit zwei Prozent nämlich nur halb so hoch wie im Durchschnitt der Nachkriegeszeit. Die Globalisierung hilft, die Inflation niedrig zu halten, die Notenbanken müssen nicht kräftig gegensteuern. Gleichzeitig sind die Aktienbewertungen immer noch moderat, und die Bilanzen der Unternehmen aufgeräumter denn je. Auch ein Grund, warum kreditfinanzierte Übernahmen anhalten werden, angeschoben etwa durch Carry-Trades …
Das sieht auch Jens Ehrhardt so: „Kritisch wird es erst, wenn die Unternehmensgewinne kippen und die Gewinnspannen schrumpfen. Dann werden sich viele der gerade noch gefeierten Übernahmen als zu teuer erweisen. So manches Unternehmen wird seine Schulden nicht bedienen können. Dann platzt die Blase. So weit ist es aber noch lange nicht.“
US-Ökonom Jeffrey Frankel geht davon aus, dass die Kapitalflüße in die Schwellenländer einem 15-Jahres-Zyklus folgen. Das Ende des letzten Zyklus war aus seiner Sicht die Asienkrise 1997 – für einen Crash aus überzogener Risikobereitschafdt sei es deshalb zu früh … Sorgen müssten wir uns dann erst 2011 machen …









Am 16. Juli 2007 um 16:13 Uhr
Hallo Herr Blümel. Danke für den netten Blog. Sehr unterhaltsam.