Feuilleton

Im nächsten Leben werde ich Feuilletonist. Ich hab’s mir fest vorgenommen. Am besten bei der Süddeutschen Zeitung! Da darf man nämlich noch mehr staunen als ich hier in meinem kleinen Blog. Sogar kokettieren ist erlaubt. Und dumm stellen wird vom Ressortchef vermutlich bejubelt.

Das will ich auch haben. Zu blöd nur, dass ich jetzt schon das achte Jahr in Folge meine Seele an den Finanzjournalismus verkauft habe. Meine Vita ist damit aber sowas von besudelt, und ein Wechsel zum Feuilletonisten-Dasein zu Lebzeiten vermasselt. Aber Geduld, das nächste Leben kommt bestimmt …

Der Reihe nach: Da gibt es ein neues Heftchen eines großen deutschen Geldverwalters, „DWS Active“ heißt es, und es geht natürlich ums Geldanlegen (die dazu passende Website ist leider noch nicht fertig). Thema der ersten Ausgabe: Klimawandel. Und jetzt kommt das Feuilleton ins Spiel: Bei der Süddeutschen wurde das Magazin nämlich „einmal kurz durchgeblättert“, ein Interview mit Klaus Töpfer für – wenn ich alles richtig verstanden habe – gut befunden, die restlichen Artikel aber eher nicht (Den SZ-Artikel gibt’s hier für Abonnenten).

Und dann beginnt die Koketterie, um die ich die Autorin Evelyn Roll aus tiefstem Herzen beneide! Ihre Text-Interpretation geht so: „Wenn ich alles richtig verstanden habe, ist das, was wir bisher Klimakatastrophe nannten, CO2 sei Dank, in Wahrheit ein Segen für intelligente Börsenmanager, kluge Anleger und professionelle Geldvermehrer.“

Frau Roll hat’s natürlich falsch verstanden (oder verstehen wollen). Aber das ist ja auch ihr Job als Feuilletonistin. Hab’ ich schon geschrieben, dass ich sie darum beneide?

Wo war ich stehen geblieben? Klimawandel!

Natürlich geht es in der DWS-Postille darum, dass der Klimawandel und die Ressourcen-Knappheit Individuen, Unternehmen und Staaten dazu zwingt, Technologien zu entwickeln, die es uns ermöglichen, auch künftig nicht auf unseren hohen Lebensstandard verzichten zu müssen.

Allerdings – da hat die Feuilletonistin durchaus Recht – ist das im „DWS Active“ manchmal etwas „unglücklich“ formuliert (mein zynischer Kollege sagt „dümmlich“). So vermute ich, dass Fondsmanager-Idol „Uns Klaus“ Kaldemorgen ganz einfach falsch zitiert wurde und aber gar niemals nie den Satz zum Besten gab: „Auch für die Börsen gilt, Klimawandel ist ein Megatrend.“ Autsch!

Die Frau Roll will jetzt wegen des Heftchens mit dem Auto zur Bank und Computer und Schreibtischlampe derweil angeschaltet lassen. Weil‘s gut für die Erderwärmung und die Börsen sei … Kokett! Ressortleitung jubelt und Blog-Schreiber staunt (und vermutet, dass Frau Roll bei der Bank den DWS Klimawandel geordert hat).

2 Reaktionen zu “Feuilleton”

  1. Andy

    *aua*

  2. Richard Martens

    Na, wenn Sie sich da mal nicht mit einem Ihrer größten Anzeigenkunden anlegen … Aber Spaß beiseite: Warum soll den der Schutz des Klimas der Bevölkerung nur Schmerzen verursachen? Betrachtet man die Größenordnung der erforderlichen Investitionen, die eine sinnvolle Klimaschutzpolitik zwangsläufig mit sich zieht, dann GEHT das ja gar nicht ohne das Geld privater Anleger. Die DWS hat den Trend erkannt, sie bietet eben nur eine Möglichkeit, davon zu profitieren. Und nichts bringt Geld schneller zum fließen als die Aussicht auf Profit. Klimaschutz durch die Börse? Warum nicht? Wenn\’s funktioniert, ist doch jedes Mittel recht.

    Rick

Einen Kommentar schreiben

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Sie müssen die 7 Zeichen im Bild, (Zahlen von 0 - 9 und Buchstaben von A - F), in das Feld eintragen und das Formular abschicken um den Kommentar zu senden.

  

Code neu Generieren