Sozialismus

Der Deutsche ist generös. Er gibt viel, ja, gar mehr denn je. Wirklich wahr, wir geizen nicht, auch wenn man nur von bedingter Freiwilligkeit reden kann. Denn es geht um das Thema Steuern: Von jedem erarbeiteten Euro bleiben durchschnittlich nur 47 Cent übrig! 53 Cent gehen (in Form von Steuern und Abgaben) an Vater Staat. Die „Bild“ berichtet es gerade, der Bund der Steuerzahler hat’s berechnet.

Ja, einige Politiker dürften stolz darauf sein. Zumal die deutschen Bürger auf jeden Fall generöser sind als andere: Die Bürger anderer OECD-Nationen geizen im Schnitt mit einer Abgabenquote von 41,8 Prozent. Buh! Verlierer!

Trotzdem wollen uns einige diese Spitzenstellung nicht gönnen: „Der Staat entwickelt sich immer mehr zu einem gefräßigen Monster. Statt die Bürger zu entlasten, nimmt er ihnen finanziell immer mehr die Luft zum Atmen“, sagt etwa Steuerzahlerbund-Präsident Karl Heinz Däke.

Tut er dem Staat da nicht unrecht? Neulich war doch zu lesen, dass die deutsche Staatsquote, also das Verhältnis der Staatsausgaben zur gesamten Wirtschaftsleistung, mit 45,6 Prozent auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken sei. Finanzminister und Bundeskanzlerin freuten sich im Duett. Das ist doch toll!

Ist es nicht, liebe Leute. Außer, man steht dem Sozialismus nahe. Das meint nicht nur mein Kollege, der lieber nicht genannt werden will. Nein, das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.

Zum Vergleich: In der Euro-Zone haben gleich 13 Mitgliedsländer eine niedrigere Staatsquote als wir. Und noch ein Vergleich: Vor 100 Jahren machten die Staatsausgaben zehn Prozent der Wirtschaftsleistung aus, vor 50 Jahren waren es 30 Prozent. Jetzt fast die Hälfte. Hoppla, wir sind sozialistischer denn je.

Aber wir können noch besser: Die Abgeltungsteuer ist beschlossene Sache, und die SPD wird ihre Idee vom Deutschlandfonds schon noch durchdrücken, die Staatsquote ist doch bitte schön zu niedrig!

Wer anderer Meinung ist und sich am neuen Sozialismus nicht erwärmen kann, lese in den kommenden Wochen €uro am Sonntag. Da gibt’s eine Serie zum Thema Abgeltungsteuer (und wie man möglichst wenig davon bezahlt) …

2 Reaktionen zu “Sozialismus”

  1. Klaus Schmid

    Steuern sparen ist nicht alles

    Das Thema Abgeltungsteuer ist ja derzeit in aller Munde. Nicht zuletzt Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister haben mit dem Thema ein verkaufsförderndes Argument entdeckt, um in Zeiten unruhiger Börsen und grassierender Rezessionsangst dem schleppenden Absatz von Finanzprodukten auf die Sprünge zu helfen. Nahezu zwei Drittel aller Bundesbürger fühlt sich zum Thema Abgeltungsteuer schlecht informiert – ein Armutszeugnis für die Protagonisten. Bei all dem Getöse wird aber oft die Frage vernachlässigt, ob es überhaupt Sinn macht, sich nur wegen der Steuerersparnis für eine bestimmte Kapitalanlage zu entscheiden. Aus der Vergangenheit weiß man (Stichworte: Bauherrenmodelle, Ostimmobilien usw.), dass solches Unterfangen oft schief geht. Die Kapitalanlage muss sich auch ohne Steuerersparnis rechnen. Exakt zu diesem Thema gibt es zahlreiche gute Artikel renommierter Autoren auf der Website http://www.abgeltungsteuer.de

    K. Schmid

  2. BluemelM

    Danke für den Link

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