Globalisierung minus 2
Zuerst die gute Nachricht: Der Armutsbericht der Vereinten Nationen kommt zu dem Schluss, dass die Globalisierung hilft, Armut zu verringern. Denn durch das Knüpfen internationaler Handels- und Produktionsnetzwerke bekommen nun auch Menschen Chancen auf einen geregelten Arbeitsplatz und eine berufliche wie monetäre Perspektive, die vorher jeden Tag nur von der Hand in den Mund lebten. An der Werkbank der Welt lebt es sich definitiv besser als auf unfruchtbaren Feldern.
„Von wegen“, protestierte der hauptberufliche Gutmensch (nebenher, glaube ich, ist er Angestellter des Europäischen Patentamts), den ich hin und wieder in der Imbissbude um die Ecke treffe. „Manche haben gerade mal zwei Dollar pro Tag. Das ist doch weiterhin arm.“ Das kann man freilich so sehen – doch im vorangegangenen UNO-Bericht hatten diese Menschen nur einen Dollar täglich. Dank Globalisierung hat sich ihr Einkommen also verdoppelt.
Das Erstaunliche: Diese Gehaltsverdoppelung der Ärmsten der Welt sorgt plötzlich für Neider. Und ausgerechnet in den Staaten, in denen es den Menschen deutlich besser geht. „Regierungen von Kanada bis China überlegen oder bereiten schon vor, Restriktionen gegen ausländisches Kapital in Unternehmen, Fabriken, Immobilien oder Rohstoffen zu verhängen“, meldet unser Kooperationspartner „Wall Street Journal“ heute.
Diejenigen, die von der Globalisierung zuerst profitiert haben, wollen sich nun also abschotten. Gegen die ach so bösen Staatsfonds der anderen.
Diese anderen zum Beispiel, das sind die Einwohner der kleinen Südseeinsel Gilbert Islands, von denen mir eben ein Kollege erzählte, der einen Artikel über Staatsfonds schreibt. Weil in den 50er-Jahren abzusehen war, dass die reichen Guano-Vorräte (das ist Vogelkot, ein exzellenter Dünger) irgendwann zur Neige gehen werden, legte man einen Teil der Exportgewinne in einem Fonds an, damit künftige Generationen auf dem sonst kargen Eiland noch ein Auskommen haben. Inzwischen hat sich das Vermögen der Vogelinselbewohner durch Investitionen in anderen Ländern der Welt auf 520 Millionen britische Pfund gemausert. Von den Zinsen und Dividenden wird die Ausbildung und die Krankenversorgung der Insulaner bezahlt. Ohne den Fonds wären sie bitterarm.








