Globalisierung Stufe 3

Geliebt wurden ja schon immer die anderen. Der Steve Jobs von Apple etwa. Bill Gates dagegen wurde höchstens respektiert. Und beneidet. Weniger um sein Lebenswerk Microsoft, mehr um den Titel „Reichster Mann der Welt“. Doch das war einmal, jetzt bleibt Gates nicht einmal mehr die Missgunst der Welt. Denn wohlhabendster Erdenbürger ist seit Neuestem ein Mexikaner: Telekom-Tycoon Carlos Slim. Ihm gehören geschätzte 68 Milliarden Dollar. Gates nur 53 Milliarden (ausgerechnet hat’s der Internet-Infodienst „Sentido Común“).

Jetzt ist es an Slim, sich an die Missgunst der Welt zu gewöhnen, oder zumindest an ein gehöriges Maß Misstrauen. Denn der Mexikaner steht stellvertretend für das wachsende Selbstbewusstsein und die neue, luftige Stellung, die Unternehmen und Unternehmer aus den Schwellenländern inzwischen erreicht haben.

Reichtum ist da nur ein Indiz von vielen. Die neuen Potentaten heißen Carlos Slim, Lakshmi Mittal, Li-Ka Shing, Prince Alwaleed, Mukesh und Anil Ambani, Roman Abramowitsch, Azim Premji, Lee Shau Kee … klicken Sie selbst einmal durch die (neue, aber doch nicht ganz aktuelle) Forbes-Milliardär-Liste. Erstaunlich, wie viele Neureiche aus Asien, Lateinamerika und Osteuropa sich da tummeln.

Und die Neureichen wollen gehört werden. Liebe muss ja nicht, aber mehr als bloße Duldung darf es dann doch sein. Indiens Premier Manmohan Singh jedenfalls war schwer irritiert, als er im Internet bereits die Abschlusserklärung der G 13 lesen konnte, noch bevor er zum Gipfel nach Heiligendamm fuhr! „Imperialismus!“, schimpft da der Kollege, der lieber nicht genannt werden will (Die G 13 bezeichnet die Gruppe der G 8 plus die Outreach 5, also Mexiko, Brasilien, Südafrika, Indien und China).

Nun gut, so eine Spur Misstrauen und vielleicht auch Neid ist ja durchaus menschlich. Siehe Gates. Der Westen wird sich dennoch von seiner Arroganz und Ignoranz verabschieden müssen. Denn China, Indien und Co lassen immer mehr ihre Muskeln spielen. Sei es bei den Verhandlungen um liberaleren Welthandel oder beim parallel dazu geführten Aushecken immer umfassenderer bilateraler Handelsverträge. Da drehen sie uns doch tatsächlich schon eine lange Nase …

Ach ja: Was die Wahl des Investitionsstandorts angeht, setzen die Global Player zum ersten Mal China auf den ersten Rang (so das Ergebnis einer neuen Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young).

Der Indizien genug? Das Wachstum der Emerging Markets nimmt so jedenfalls kein Ende, und in ein paar Jahren werden die Volkswirtschaften Chinas und Indiens mehr produzieren als etwa Deutschland. An Respekt sollte es da nicht fehlen. Und wer in die Schwellenländer investiert, dürfte durchaus auch so etwas wie Zuneigung empfinden. Die Missgunst überlassen wir den üblichen Zweiflern und Bendenkenträgern.

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