Böse Chinesen
Der Mensch braucht ja seine Feindbilder: Die Linke den Neo-Liberalen, Attac die Globalisierung, Fußball-Deutschland den FC Bayern. Eine endlose Liste könnte man da führen. Und ganz oben stünde China, das neue Reich des Bösen, ein Milliarden-Volk mit gefräßigen Gelb-Gesichtern, die sich erdreisten, ihren Lebensstandard verbessern zu wollen. Frech, diese Chinesen, gefürchtet gleichsam von Bush-Neo-Cons wie von Lafontaine-Neo-Sozis.
Sie haben Geld, billige wie willige Arbeitskräfte und Wirtschaftswachstum ohne Ende.
Und jetzt fallen sie auch noch über den deutschen Wald her! Im großen Stil würden sie ganze Wälder aufkaufen. Zu lesen gibt’s das bei der „Süddeutschen“, „FAZ“, „Spiegel“ … Das ganze im Internet fleißig und erschrocken kommentiert (am schönsten hier).
Die chinesische Heuschrecke im deutschen Wald. Konfuzius statt Odin und Thor.
„Chinesen?“, staunt da meine Schwiegermutter in spe. Sie kommt aus dem Kyrill-geplagten Sauerland, und erlebt gerade hautnah, wie wöchentlich bis zu 6000 Festmeter Sturmholz an den Bahnhöfen verladen werden. Fast alles geht nach Österreich und Sachsen-Anhalt. „Und Wald will hier keiner verkaufen”, sagt sie. Weder an Chinesen noch an sonstwen.
„Sollen sie den Wald doch haben“, sagt ein zynischer Kollege der lieber nicht genannt werden will. „Wir exportieren ihnen das Waldsterben.“
Das findet natürlich nicht jeder witzig. Sich darüber zu echauffieren, wäre aber auch nicht der Mühe wert. Denn China interessiert der deutsche Wald nur bedingt. Klar, das Land will investieren, tut dies gerade mit Vorliebe in Afrika, um sich Rohstoffe zu sichern. Und auch der Staat ist bemüht, seine Devisenreserven von sagenhaften 1,2 Billionen Dollar auf dem Globus anzulegen.
Aber der deutsche Wald? Das ist doch ein Witz! Was sich in Deutschland in Privatbesitz befindet, ist selten größer als 200 Hektar … was sollten die Chinesen damit wollen? Losgetreten hat die Mär der BDF, der Bund deutscher Forstleute, der von einem massenhaften Verkauf heimischen Waldes an chinesische Geschäftsleute warnte. Um wenige Tage danach zurückzurudern und (interessanterweise in der „Taz“) das Gegenteil zu behaupten: Chinesische Investoren seien gar keine große aktuelle Gefahr.
Nun ja.
Darum staune ich jetzt einfach mal ein bisschen über die Bedenkenträger und Feinbild-China-Zementierer und investiere fröhlich in ein Holz-Strategie-Zertifikat. Auch wenn ich dadurch für manche zum Feindbild tauge.
Blümel staunt, http://finanzen-blog.net, 27.06.07, Martin Blümel









Am 27. Juni 2007 um 14:28 Uhr
Dass China Afrikas Rohstoffe plündert, wollen Sie aber hoffentlich nicht bestreiten!
Am 27. Juni 2007 um 15:51 Uhr
Unsinn! Im Gegensatz zu Europa oder den USA sieht China in Afrika nicht den Hunger- und Katastrophenkontinent, sondern einen mit allen wichtigen Rohstoffen gesegneten Kontinent, der zudem den letzten konsumtechnisch nicht erschlossenen Flecken Erde darstellt. Wenn man so will, rollt China gerade Afrika auf, und der Westen verpennts.