Sarkozy überlistet Merkel
Polens Premier Lech Kaczynski hat es in die erste Reihe geschafft. So oder so. Auf dem EU-Gipfel-Gruppenbild steht er rechts neben Bundeskanzlerin Angela Merkel. Links steht Frankreichs Premier Nicolas Sarkozy. Eine unfreiwillige wie unheilige Allianz. Denn den Wirbel, den Kaczynski in den vergangenen Tagen verursachte, nutzte Sarkozy zu einem Coup.
Aus dem EU-Vertrag wurde auf sein Drängen das Wettbewerbsprinzip gestrichen! Hoppla. Aus dem Vertragsteil „Binnenmarkt mit freiem und unverfälschtem Wettbewerb“ wurde schlicht „Binnenmarkt“ (ergo unfrei und verfälscht?).
Ganz schön schlau. Franzosen wie Italiener oder Spanier haben ja schon immer einen Hang zum Schutz ihrer großen nationalen Unternehmen. Mit dem neuen EU-Vertrag wird es ihnen künftig noch leichter fallen, etwa mit milliardenschweren Rettungspaketen angeschlagene Konzerne über Wasser zu halten. Wie war das damals bei Alstom, Herr Präsident? „Protektionismus, Staatskapitalismus”, schimpft ein Kollege, der aber lieber nicht genannt werden will.
Wird Sarkozy deswegen seit neuestem „Sarcosuchus imperator“ gennant? Eigentlich ist das ein ausgestorbenes Riesenkrokodil, das laut Forschern deswegen verschwand, weil es nicht über genügend Intelligenz verfügte, um sich an die Zukunft anzupassen. Kaczynski muss sich übrigens mit dem Kosenamen „Wurzelzwerg“ begnügen (zu sehen im neuesten Frontal21-Video).
Aber was soll das Staunen über Sarkozys Winkelzüge!? Die anderen sind doch auch nicht besser. Da gibt es noch mehr zu staunen: Russlands Premier Wladimir Putin wirft dem Westen Protektionismus vor, um gleichzeitig ausländische Großkonzerne aus dem Land zu treiben. In Potsdam platzt die G4-Runde, weil die Entwicklungsländer über Subventionen für die westliche Landwirtschaft klagen und der Westen über Zölle bei der Einfuhr in Schwellenländer.
Ach ja: Sogar Deutschbanker Josef Ackermann fordert „Schutzzäune für strategisch wichtige Wirtschaftszweige“.
Da kenne sich noch einer aus! Globalisierung? Liberalisierung des Welthandels? Was hatten wir uns alles auf die Fahnen geschrieben!
Meiner Schwiegermutter in spe und mir fällt es daher schwer, wem wir nun unsere Liebe entziehen wollen. Sarkozy allein? Oder alle in Sippenhaft nehmen? Unseren Tipp für Frankreich-Investments stellen wir mal auf „Halten“.
Blümel staunt, http://finanzen-blog.net, 22.06.07, Martin Blümel









Am 24. Juni 2007 um 18:19 Uhr
Sie sollten Sarkozys Handeln nicht überbewerten. Der Wettbewerbsgedanke wird in anderen Passagen des EU-Vertrages nach wie vor betont. Wer wirklich nervt, ist Ackermann! Mal hü, mal hott! Unerträglich der Mann!