Grillparty

Außenminister a.D. Joschka Fischer saß einmal 17 Stunden vor einem Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages – live im TV bei Phoenix. Sportlich! Vier Chefs der britischen Private-Equity-Szene brachten es gestern auf vier Stunden vor dem britischen Finanzausschuss – live im Internet-TV des Parlaments. Auch nicht schlecht. „Grillparty“ nannte das die „Sunday Times“.

Ins Schwitzen kam Fischer damals nicht. Ebenso wenig gestern Robert Easton von Carlyle, Philipp Yea von 3i, Dominic Murphy von KKR und Damon Buffini von Permira. Auch wenn ihnen Mitglieder der Labour Party und etliche Gewerkschafts-Chefs ordentlich zusetzten. „Wir wissen ja mehr über die Mafia als über Euch“, meinte ein Arbeiterführer unter Gegröhle der Mitgenossen.

Worum ging’s denn da? Private Equity soll nach den Wünschen der Kritiker den gleichen Vorschriften und Offenlegungspflichten unterliegen wie Aktiengesellschaften. Außerdem sollen Steuervorteile gekappt werden.

Die Linke applaudiert. Und ich staune. Denn die Argumente kommen meist aus der üblichen Neid-Schublade: Die Branche bereichere sich auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Über den Nutzen der verschwiegenen Finanziers sprechen die wenigsten. Das ist schade. Fragen Sie einmal einen deutschen Mittelständler wie er in Zeiten verschärfter Kreditvergabekriterien (Stichwort Basel II) sein Unternehmen finanziert? Oder wie es in einem Familienunternehmen weitergeht, wenn ein Nachfolger fehlt?

Auch wenn es die wenigsten hören wollen: Private Equity schafft Arbeitsplätze. Und auch wenn es immer wieder falsch berichtet wird: Private Equity stellt Unternehmen wieder auf gesunde Beine.

Sollte der neue britische Premier Gordon Brown der Branche die Steuervorteile entziehen, hat das wohl nur einen Effekt: Die „Fat Cats“ aus der Londoner City werden ihren Sitz verlagern. Nach Singapur etwa. Oder Hongkong. Auch die Asiaten wollen Welt-Finanzzentrum sein. Dort hat man die Vorteile erkannt. Und darum lohnt es sich dort auch zu investieren. Das weiß auch meine Schwiegermutter in spe.

Blümel staunt, http://finanzen-blog.net, 21.06.07, Martin Blümel

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