Verkehrte Welt

Die Börse Tokio teilt mit, dass der Anteil ausländischer Anleger am „Kabutocho“ so hoch ist wie nie zuvor – nämlich 28 Prozent. Gleichzeitig ziehen sich immer mehr japanische Privatanleger zurück – nur noch 18 Prozent investieren in Sony und Co. Was ist denn da los?

Zunächst mal zu den Ausländern: Klar, die wetten auf den wirtschaftlichen Aufschwung Nippons. Und weil die Börse vergangenes und dieses Jahr hinterherhinkt, scheint es dort noch das zu geben, was die Börsianer „Aufholpotenzial“ nennen (meine Schwiegermutter in spe investiert dort trotzdem nicht, sie bleibt bei ihren Europa-Fonds).

Kommen wir zu den abtrünnigen Einheimischen: die trauen dem „Kabutocho“ nämlich nicht – wer mag es ihnen verdenken, ging es doch mehr als eine Dekade lang mit den Kursen nach unten. Dabei spekulieren die Japaner mindestens genauso gern wie die Chinesen. Nur nicht mit ihren Aktien. Stattdessen in Pachinko-Spielhöllen. Und mit der eigenen Währung.

Mit „Carry Trades“ leihen sich sie sich billiges japanisches Geld und legen es in Hochzinsländern an. So funktioniert’s.

Noch geht das gut, sehr gut sogar. In Japan werden die Zinsen zwar auch erhöht, in Europa, den USA, Australien, Neuseeland aber auch. Die Differenz zwischen den Zinsen bleibt also, teilweise weitet sie sich sogar aus. Den Japaner freut’s.

Die mutigen 28 Prozent Ausländer an Tokios Börse freut’s nicht: Der japanische Yen verliert durch die „Carry Trades“ nämlich stetig an Wert. Gegenüber dem Euro etwa notiert er so niedrig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Das macht zwar Reisen und tolle Hotels in Tokio so erschwinglich wie nie zuvor, dafür knabbern die Währungsverluste am Wert der Aktien …

Was soll den Trend aufhalten? Die weltweite Zinssituation eher nicht. Ein Schock wie 1998? Die Russland-Krise trieb damals den Yen binnen zwei Monaten um 20 Prozent nach oben.

Schocks gibt es immer wieder. Nur Mutige steigen daher noch beim japanischen Yen-Spiel ein. Etwa mit einem Zertifikat von der UBS. Andere tun es den 28 Prozent mutigen Ausländern nach und investieren in japanische Aktien, mit einem Fonds etwa. Vielleicht sorgt der Yen dann sogar für ein paar Extragewinne. Man munkelt ja, dass Warren Buffet darauf spekuliere …

Blümel staunt, http://finanzen-blog.net, 19.06.07, Martin Blümel

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