Potemkinsche Dörfer

Kennen Sie William Browder? So sieht er aus. Und das ist sein Unternehmen. Im November 2005 wurde er aus Russland ausgewiesen und darf seither nicht mehr einreisen. Obwohl er den größten ausländischen Russland-Fonds managt! Nein, falsch, weil er das tut. Und weil er zu oft über Korruption und Missmanagement von Kreml-kontrollierten Unternehmen gewettert hat …

Eine offizielle Begründung für seinen Rauswurf gab es nie. Sie wird jetzt aber offensichtlich nachgereicht. Eine von Browder beratene Gesellschaft soll gegen russische Steuerregeln verstoßen haben. Großes Staunen! Steuern! Darüber ist doch auch Michail Chodorkowski gestolpert, der ehemalige Chef des Ölkonzerns Yukos.

Bei Browder geht es zwar „nur“ um umgerechnet 33 Millionen Euro, der Fall ist aber ein Paradebeispiel für die Widersprüchlichkeiten, die Russland dieser Tage zu bieten hat. Denn nahezu gleichzeitig präsentiert Präsident Wladimir Putin beim Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg ein angeblich absolut investorenfreundliches Land.

Die Botschaft hör ich wohl, allein es fehlt mir der Glaube.

Schon die OECD meint, Russland müsse mehr tun, um ausländische Direktinvestitionen anzulocken. Es gebe zu viele Hindernisse, zu viel Bürokratie, zu viel Korruption.

Trotzdem scheint der Rubel zu rollen. Putin spricht von 41 Milliarden Dollar ausländischen Investitionen im Jahr 2006 und bereits 60 Milliarden in den ersten vier Monaten 2007. Erstaunliche Geldvermehrung! Das Statistische Amt Russlands geht nämlich von nur 15 Milliarden Euro aus, die gleiche Summe wie im Vorjahr. „Hoffentlich muss dafür kein kleiner Beamter in den Gulag“, meint ein Kollege, der aber lieber nicht genannt werden will.

Ach, noch was: Gut ein Drittel der oben genannten Gelder stammen aus russischem Auslandsbesitz – nicht von westlichen Unternehmen.

Der in St. Petersburg beschworene Investitions-Boom nur ein Potemkinsches Dorf? Egal, oder? Dank Öl, Gas und Rohstoffen fließen ohnehin Fantastilliarden ins Land. Da darf Putin schon selbstbewusst sein!

Aber Genaues weiß man eben nicht, zu viele ungenaue Statistiken, zu viele Widersprüche. Die Zweifel nagen an mir, es ist fürchterlich!

Doch noch mal zurück zu Browder. Trotz allem finder er russische Aktien kaufenswert! Das zeugt von Größe. Seinen Fonds kann man hierzulande jedoch nicht kaufen. Dafür den hier. Der ist mindestens genauso gut und der Manager darf noch nach Russland einreisen. „Fragt sich nur, wie lange noch”, meint meine Schwiegermutter in spe.

Blümel staunt, http://finanzen-blog.net, 15.06.07, Martin Blümel

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