Vom coolen Agenten zum kalten Krieger
Wladimir Putin ist also angekommen in Heiligendamm. Aber ohne Agentenbrille! Beim EU-Russland-Gipfel vor drei Wochen in Samara hatte er noch ein Modell Stil „Ocean’s 13“ auf der Nase. Zum dunklen Hemd im dunklen Anzug. Sehr relaxed! Warum aber nicht in Heiligendamm? Hätte gut gepasst, jetzt da Greenpeace-Schlauchboote in die Sperrzone eingedrungen sind. Allein der Blick auf einen Putin im Agentenlook hätte sie kehrtmachen lassen.
Zum selbst vergleichen:
Putin hier, die Hollywood-Schauspieler dort.
Aber der russische Präsident tut uns den Sonnenbrillen-Gefallen bisher nicht. Er will uns offensichtlich überhaupt keinen tun. Rhetorik und Handeln sind kühl. Tendenz Eisschrank. Vom coolen Agenten zum kalten Krieger ist es ein kurzer Weg.
Meine Schwiegermutter in spe jedenfalls traut ihm nicht über den Weg. Und westliche Unternehmer haben zusehends ebenfalls Schwierigkeiten. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der starke Russe keine starken Ausländer in seinem Reich duldet.
Gerade läutete ein Gericht im sibirischen Irkutsk das Ende eines 20-Milliarden-Dollar-Projekts des russisch-britischen Joint Venture TNK-BP ein. Der Kreml will die Kontrolle über das riesige Kovykta-Gasfeld übernehmen. Zuvor wurde schon dem niederländischen Konzern Royal Dutch Shell die Lizenz für das Sakhalin-2-Gasfeld entzogen. Und da sind noch diese Pipeline-Geschichten.
Putins Treiben ist letztlich Wirtschaftspolitik nach Gutsherrenart. Das mag meine Schwiegermutter in spe nicht. Und ich auch nicht.
Pikanterweise scheint aber derzeit die Stärke des Putin’schen Russlands zur Schwäche zu werden: Der Rohstoffreichtum. Die Wirtschaft des Landes hängt einseitig von der Nachfrage nach Öl, Gas und Industriemetallen ab. Die Börse zockelt hinterher in diesem Jahr.
Wer trotzdem investieren möchte, dem sei der JPM-Russia-Fonds nahegelegt, der macht das bisher am besten. Ich lasse meine Finger davon. Von der Sonnenbrille auch. Die tragen schließlich nur ehemalige Agenten und Hollywood-Gauner. Und davon wiederum sind erstaunlich viele in der Münchner Innenstadt zu sehen.
Blümel staunt, http://finanzen-blog.net, 07.06.07, Martin Blümel








