Mehr vom spielsüchtigen Chinesen

Ob die Putzfrauen schon die Lust am Spekulieren verloren haben? Heute jedenfalls ging es an der Börse Shanghai schon wieder abwärts. Dieses Mal um acht Prozent. Insgesamt macht das schon 15 Prozent Minus seit Mitte vergangener Woche. Von Panikverkäufen spricht ein Fondsmanager in Shanghai. Die Anleger seien davon überzeugt, dass die Regierung nichts tun werde, um den Kursrutsch zu stoppen. Hoppla! Vor zehn Tagen hörte man doch genau das Gegenteil! Bis zu den Olympischen Spielen 2008 werde schon alles gutgehen. Der Stimmung im Land wegen.

Erstaunlich, wie selbige jetzt gekippt ist. Da wird es noch weiter nach unten gehen. Ob es wohl so schlimm kommt wie zwischen 2000 und 2004, als die Börse in Shanghai die Hälfte an Wert verlor?

Der Regierung in Peking wäre es egal. Die chinesische Wirtschaft wächst so oder so jedes Jahr um etwa zehn Prozent. Das war auch in den schlimmen Börsenjahren so. Sie wächst, weil die Unternehmensgewinne immer wieder in neue Projekte gesteckt werden und weil der Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen nicht versiegen will. Die Weltbank trägt es immer wieder in ihren Statistiken zusammen.

Was bleibt den armen chinesischen Kleinanlegern? Sie können jedenfalls nicht auf fallende Kurse spekulieren. Einen Terminmarkt gibt es nicht.

Kasinos? Ebenso Fehlanzeige. Glücksspiel ist nach wie vor verboten. Wird man wohl oder übel zum klassischen Mahjong-Brettspiel greifen müssen, und ein paar Yuan vom Nachbarn gewinnen. Oder Spielscheine für die staatliche Lotterie ausfüllen. Und findige Chinesen werden weiter Wege finden, online zu zocken – illegal natürlich. Oder ihr Geld ins Ausland transferieren. Nach Hongkong beispielsweise. Da sind die Kurse heute nämlich gestiegen.

Man wird wohl auch wieder mehr chinesische Touristen in München sehen. Vergangenes Jahr noch zupfte mich meine Tochter Leonie – fünf Jahre alt – alle Nase lang am Hemdärmel, weil sie wissen wollte, ob die Reisegruppe mit den lustigen Hütchen Chinesen wären. Dieses Jahr hat sie bisher kein einziges Mal gezupft. Die Chinesen sind ja auch zu Hause geblieben. Die Börse darf man schließlich nicht leichtsinnig aus den Augen lassen.

Blümel staunt, http://finanzen-blog.net, 04.06.07, Martin Blümel

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